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Coronavirus: Kassenärzte fordern von Arbeitgebern längeren Verzicht auf Krankschreibungen

Der Kassenärztliche Bundesverband fordert Arbeitgeber auf, bei einer Fehlzeit von bis zu sechs Tagen auf eine ärztliche Krankschreibung zu verzichten. So soll das medizinische Versorgungssystem entlastet werden.

Krankschreibung

Wegen des Coronavirus sind viele Arztpraxen überlastet. Arbeitgeber könnten deshalb erst später ein ärztliches Attest verlangen.

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Die Arztpraxen in Deutschland leiden unter einem großen Ansturm aufgrund des Coronavirus. Um sie zu entlasten, nimmt der Kassenärztliche Bundesverband (KBV) nun die Arbeitgeberverbände und Unternehmen in die Pflicht. Krankschreibungen sollen nicht, wie bisher meistens üblich, nach drei Tagen Fehlzeit verlangt werden. Gefordert wird eine Verlängerung der Karenzzeit auf beispielsweise sechs Arbeitstage. Dadurch sollen ambulante Arztpraxen entlastet werden, da Beschäftigte mit leicht verlaufenden Infektionen nicht mehr nur zum Zweck der Krankschreibung eine Praxis aufsuchen müssten. 

Der KBV als Arbeitgeber habe diese Maßnahme bereits selbst getroffen, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Stephan Hofmeister, in einem Pressestatement zum aktuellen Stand der ambulanten Versorgung. Diesem Beispiel sollen andere Arbeitgeber folgen und "ebensolche Maßnahmen zur Entlastung des Systems der ambulanten medizinischen Versorgung treffen."

Coronavirus überlastet Arztpraxen

Ein positiver Nebeneffekt dieser Maßnahme kann sein, dass Patienten mit bereits angeschlagenem Immunsystem nicht mehr gezwungen sind, Arztpraxen aufzusuchen, wo sie möglicherweise mit Corona-Infizierten in Kontakt kommen. Es gilt jedoch weiterhin, dass Personen, die bei sich selbst das Coronavirus vermuten, nicht ohne vorherige Absprache mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (Tel.: 116117) oder einem vorausgegangenen Anruf bei ihrem Hausarzt eine Praxis aufsuchen sollen. Nach KBV-Angaben hätten am vergangenen Samstag 80 000 Menschen die 116117 angerufen, am Sonntag 65 000. Das seien doppelt so viele wie sonst. Die Wartezeit betrage im Schnitt 60 bis 90 Sekunden.

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Bürger mit Husten und Schnupfen sollten zunächst einfach zu Hause bleiben, sagte KBV-Vize Stephan Hofmeister. Andernfalls sei die Gefahr groß, "dass uns irgendwann die Player im Gesundheitswesen fehlen". Hofmeister: "Wir haben einen Regelbetrieb zur Versorgung kranker Menschen aufrecht zu erhalten." Eine größere Vermischung der Patienten mit anderen Erkrankungen mit Corona-Verdachtsfällen müsse nach Möglichkeit verhindert werden.

Auch KBV-Chef Andreas Gassen warnte vor unnötigen Praxisbesuchen wegen des Coronavirus: "Umfangreichere Testung von klinisch Gesunden ist medizinischer Unfug", sagte. Selbst wenn jemand bei sich selbst Coronaverdacht habe, "dann sollte er nicht irgendwo hinrennen", mahnte Deutschlands oberster Kassenarzt.

Quellen: Pressestatement Kassenärztlicher Bundesverband / Nachrichtenagentur DPA

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