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EUROPÄISCHE UNION: Neue Richtlinie gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Eine neue EU-Bestimmung sieht Schadenersatz in unbegrenzter Höhe für die Opfer sexueller Übergriffe am Arbeitsplatz vor. Damit wird erstmals der Begriff der sexuellen Belästigung rechtsverbindlich festgelegt.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kann zukünftig in allen Ländern der Europäischen Union wirksamer bekämpft werden. Eine neue EU-Bestimmung, die letztlich von allen 15 Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden muss, sieht unter anderem Schadenersatz in unbegrenzter Höhe für die Opfer sexueller Übergriffe im Büro oder der Fabrik vor. Mit der Richtlinie, die 2005 in Kraft tritt, werde erstmals der Begriff der sexuellen Belästigung rechtsverbindlich festgelegt, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit.

»Das Bewusstsein für diese Form der sexuellen Belästigung ist in den Mitgliedstaaten bislang nur gering ausgeprägt«, sagte die zuständige EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou. Nach Angaben ihrer Behörde gibt es bislang Unionsweit nur in Belgien und Frankreich ein Gesetz dagegen. Nach einer Studie werden bislang 40 bis 50 Prozent aller Frauen und zehn Prozent der Männer in der EU mindestens ein Mal während ihres Arbeitslebens sexuell belästigt.

Nach dem jetzt vom EU-Ministerrat und Europäischem Parlament abschließend abgesegneten EU-Gesetz handelt es sich bei sexueller Belästigung um »eine Form unerwünschten verbalen oder non-verbalen Verhaltens oder unerwünschte Berührungen sexueller Natur mit der Absicht oder dem Effekt, die Würde einer Person zu verletzen, insbesondere, wenn dadurch eine einschüchternde, feindliche, abwertende, demütigende oder beleidigende Atmosphäre geschaffen wird.«

Nach der neuen EU-Richtlinie müssen Arbeitgeber vorbeugende Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ergreifen. »Diskriminierung auf Grund des Geschlechts kann durch Schärfung des Bewusstseins mit diesem Instrument bekämpft werden«, sagte die Berichterstatterin für die Gleichstellung der Geschlechter des Europäischen Parlaments, Heidi Hautala von den Grünen.

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