Eva Ringhof Umweltingenieurin in Peru

Der Kindheitstraum vom Eva Ringhof war, auf den Spuren der Inka zu wandeln. Das hat sie nun in Peru verwirklicht - und noch einiges mehr: Denn sie besucht nicht nur die alten Kultstätten, sondern versucht auch, Kleinbauern für die Globalisierung fit zu machen.

Name: Eva Ringhof
Alter: 25 Jahre
Heimatstadt: Worms
Organisation: Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH (Homepage)
Einsatzort: Piura, Peru

Lateinamerika, Kleinbauern auf Kaffeeplantagen ... Es ist immer wieder aufregend, sich an eine fremde Umgebung und neue Situationen anzupassen. So bietet sich die Chance, eine Kultur und deren Strukturen aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen. Nachdem ich bereits zwei Semester in Spanien sowie ein weiteres in Kolumbien studiert hatte, wo ich zudem acht Monate Praktikum absolvierte, stand für mich fest, meinen Beruf im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit zu suchen.

Man wechselt die Sichtweise

Meine Familie und Freunde waren also nicht wirklich überrascht, als ich ihnen von meinem Vorhaben erzählte. Mit dem Young-Leader-Programm bot sich mir die Möglichkeit, mich noch vor Abschluss des Studiums im Bereich Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsability zu qualifizieren. Das Pilotprogramm sieht jeweils drei Monate Praktikum im In- und Ausland in einem nachhaltig orienierten Unternehmen vor. In Deutschland, bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH habe ich mich bereits in das Projekt "Anpassungsstrategien an Klimawandel für Kleinbauern im Kaffeesektor" einarbeiten können. Nun arbeite ich für 3 Monate bei Cepicafé, in der Partnerorganisation für Fair-Trade-Produkte in Piura im Norden Perus.

Bei meiner Arbeit geht es darum, den Kleinbauern gerechte Preise für ihr Produkt zu ermöglichen. Und Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu entwerfen. Innerhalb des Projekts kann ich mich frei entfalten, und mich durch alternative Methoden und neue Ideen inspirieren lassen. Dabei wird mir allerdings täglich bewusst, wie wichtig und gleichzeitig fruchtbar der Austausch zwischen zwei ganz unterschiedlichen Kulturen sein kann, besonders um ein international agierendes Projekt voranzutreiben. Ich bin von der Globalisierung fasziniert, von den vielen neuen Möglichkeiten, vom Lernen. Plötzlich kann ich Verhaltensweisen verstehen, die mir vorher ein Rätsel waren, weil ich nicht fähig war, mich in die Lage des anderen zu versetzen und die Sichtweise zu wechseln. Außerdem hilft mir dieser Perspektivenwechsel eines Auslandsaufenthaltes Klischees abzubauen - denn Peru hat viel mehr als Panflötenspieler und Lamas zu bieten. Im Gegenzug konnte ich auch bei den Lateinamerikanern Vorurteile gegenüber "gringos" abbauen.

Abgends geht's zum Tanz

Neben der Aufgeschlossenheit der Peruaner beeindruckt mich ihre Gastfreundlichkeit, da man ganz schnell mit ihnen ins Gespräch kommt und am Abend zu einem Teller Ceviche mit einem Glas Cusqueña oder Chicha Morada eingeladen wird, nach dem es selbstverständlich ist, Cumbia tanzen zu gehen. Natürlich gibt es auch negative Seiten. So musste ich mich erst an bestimmte Rituale, wie die dreistündige Mittagspause "siesta", gewöhnen und würde gern mal wieder ein leckeres Vollkornbrot essen, worauf ich jedoch, im Angesicht der Vielfältigkeit der tropischen Früchte des Landes, noch eine Weile verzichten kann.

Dank meines Auslandspraktikums erfülle ich mir auch noch einen Kindheitstraum - auf den Spuren der Inka zu wandern und mich von den Kulturstätten aus vergessenen Zeiten verzaubern zu lassen. Es ist aufregend, aus dem Alltagstrott des Vertrauten hinauszutreten und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Klar reizt es mich, auf den Zug der Globalisierung aufzuspringen, mich von der Vielfalt treiben zu lassen und neue Düfte aufzusaugen, andererseits bin ich auch täglich vom Leben der Globalisierungsverlierer geschockt.


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