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Ex-VW-Chef Pischetsrieder: Neuer Job statt Millionen-Abfindung?

Ex-VW-Chef Pischetsrieder soll die Fusion der LKW-Produzenten MAN und Scania begleiten. Im Gespräch mit stern.de fordert der DSW, die Verträge von Vorstandsvorsitzenden künftig auf drei Jahre zu begrenzen.

Arbeitet Pischetsrieder weiter für VW? Der gestürzte Volkswagen-Chef soll dem Vernehmen nach die stockenden Verhandlungen zwischen MAN und Scania wieder in Gang bringen. VW ist der größte Aktionär von Scania und will seine Interessen bei dem Deal gewahrt sehen. Aus VW-Perspektive wäre ein Dreier-Verbund sinnvoll, in den der Konzern seine brasilianische LKW-Produktion einbringen würde.

Pischetsrieder hatte die Verhandlungen bisher begleitet und wäre damit ein kompetenter Experte. Andererseits gilt seine Position innerhalb von VW als stark geschwächt. "Er ist demontiert worden", so Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Möglicherweise wird Pischetsrieder nur deshalb weiterbeschäftigt, um Vorwürfen vorzubeugen, der Konzern würde das Vermögen seiner Aktionäre verschleudern. Der Vertrag von Pischetsrieder wurde noch im Frühjahr 2006 um fünf Jahre verlängert. Würde er aus dem Unternehmen ausscheiden, müsste der Vertrag ausbezahlt werden - plus einer Abfindung. Pischetsrieder verdiente als Vorstandvorsitzender schätzungsweise drei bis fünf Millionen Euro Jahr, zusammengesetzt aus einem Fixum und einem erfolgsabhängigen Bonus.

"3-Jahres-Verträge tun es auch"

Der DSW fordert als Konsequenz aus dem Hickhack um Pischetsrieder, dass die Verträge mit Vorstandsvorsitzenden zeitlich enger begrenzt werden sollten. "Es macht keinen Sinn, diese 5-Jahres-Verträge zu vergeben", sagt Hocker. "3-Jahres-Verträge tun es auch." Dagegen sperre sich die Automobilindustrie mit dem Argument, in drei Jahren könnte ein Vorstandsvorsitzender nicht einmal die Resultate seiner Modell-Politik sehen. In den USA, so Hocker, seien 3-Jahres-Verträge indes längst üblich. "Früher oder später wird das auch bei uns kommen."

Nach Informationen des "Manager-Magazin" hat Pischetsrieder bereits am Dienstag erklärt, er werde die Verhandlungen zwischen MAN und Scania weiter begleiten. Pischetsrieder ist noch immer Vorsitzender des des Verwaltungsrats von Scania, ihm werden auch gute Kontakte zur Industriellenfamilie Wallenberg nachgesagt, die zweitgrößter Aktionär des schwedischen Lkw-Bauers nach VW ist. Sowohl Scania als auch die Familie Wallenberg lehnt bislang eine Fusion mit MAN ab. Der von MAN gebotene Übernahmepreis von gut zehn Milliarden Euro sei zu niedrig.

Zerrütetes Verhältnis zu Piech

Am kommenden Freitag soll Pischetsrieders Nachfolger als VW-Vorstandsvorsitzender, der derzeitige Audi-Chef Martin Winterkorn, offiziell gekürt werden. Ende des Jahres wird er sein Amt antreten. Winterkorn soll die Sanierung von VW beschleunigen und neue Modelle entwickeln, heißt es in Branchenkreisen.

Zu den Gründen von Pischetrieders Herauswurf schweigt sich VW bislang aus. Aus Aufsichtsratskreisen verlautet, dass die schleppende Sanierung nur ein Grund war. Pischetsrieders Verhältnis zum VW-Aufsichtsratschef und -Miteigner Ferdinand Piech sei sei von Anfang an schlecht gewesen. Endgültig nicht mehr zu kitten sei es gewesen, als Pischetsrieder die Aufklärung der VW-Affäre vorantrieb. Dabei ging es um Vorfälle, die in Piechs Zeit als Vorstandschef fielen: Damals wurden Betriebsräte mit Luxusreisen und Prostituierten bei Laune gehalten.

lk/dpa/reuters / Reuters