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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum ich Ostern immer wieder das Nest meiner Kindheit suche

Ostern gehört neben Weihnachten zu den umsatzstärksten Feiertagen. Neben Big Business und religiösen Aspekten bieten die Tage im erwachenden Frühling allerdings auch eine weitere Chance: Gemeinschaft zu zelebrieren. In der Familie von Frank Behrendt war Ostern stets ein ganz besonderes Happening.

Ostereier bemalen ist in der Familie Behrendt eine große Tradition

Ostereier bemalen ist in der Familie Behrendt eine große Tradition

Getty Images

Wenn meine Mutter den Enkelkindern von ihren eigenen Erinnerungen an Ostern erzählt, dann spielen weiße Kniestrümpfe eine zentrale Rolle. Die wurden seinerzeit getragen, wenn man am Ostersonntag - wie es sich gehörte - fein zurechtgemacht in die Kirche ging.

Wenn ich zurückdenke an grinsende Hasen dann läuft mir direkt das Wasser im Munde zusammen. Während meiner Kindheit in Brasilien gab es zu Ostern eine ganz besondere Delikatesse: "Pacoca", eine aus gehackten Erdnüssen, dem Mehl der Maniok-Pflanze und Zucker zubereitete landestypische Köstlichkeit, von der wir Kinder nie genug kriegen konnten. Sehr präsent ist mir auch noch die Marcela-Blume, die nur zur Osterzeit blüht und der die Einheimischen gar wundersame Kräfte zuschreiben. Wenn die Blume verwelkt ist, wird sie als Kraut verwendet, das angeblich verschiedene Krankheiten heilen soll. 

Ostern war in unserer Familie immer ein Fest, an dem wir auch während unserer Ausbildung allesamt nach Hause ins blaue Haus meiner Eltern zurückkehrten. Später mit Partnerinnen und Partnern, dann mit den eigenen Kindern. Festes Ritual war das Eierfärben am Karfreitag in großer Runde. Es wurde als Contest mit Urkunden und Preisen inszeniert, bei dem ich als eine frühe Version von Dieter Bohlen in der nie im TV ausgestrahlten Show "Deutschland sucht das Super-Ei" den Zampano gab. Seriensieger war übrigens mein Vater. Kein Wunder, er war Kunstlehrer und ließ sich immer neue kreative Designs einfallen. Sein "Hommage-an-Salvador-Dalí-Ei" ist mir heute noch in bester Erinnerung. 

Bunte Eier im Garten haben wir natürlich damals auch gesucht und meine Kinder schwärmen heute mit der gleichen Begeisterung aus wie einst meine Geschwister und ich. In meiner Kindheit und Jugend war mein Vater stets der Zeremonienmeister und versteckte die Körbchen und Nester - gestaffelt nach unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden - für seine drei Kinder.

Weil die Verstecke zum Teil extrem ausgeklügelt waren, erstellte er einen genauen Plan, in dem die Orte aller Präsente akribisch verzeichnet waren. Einmal hatte er sich allerdings selbst ausgetrickst und ein gut gefülltes Körbchen konnte trotz intensiver gemeinsamer Suche partout nicht gefunden werden – der große Meister hatte sich im Plan vermalt.

Nach einem halben Jahr entdeckte meine Mutter das Nest mit den nicht mehr genießbaren Schokoeiern in einer leeren Tabakdose im Pfeifenschrank meines alten Herrn. Über diese Anekdote wird auch in diesem Jahr wieder herzlich gelacht. Frohe Ostern für euch alle oder "Feliz Páscoa" wie ich es noch aus meinen Kindertagen in Rio im Ohr habe.

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