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London: Rührende Geste: Wenn dir dein Chef trotz Alzheimer die Treue hält

Über fünf Jahre lang beschäftigte die britische Supermarktkette Sainsbury’s eine Mitarbeiterin, die an Alzheimer erkrankt war. Vor zwei Tagen war ihr letzter Arbeitstag. Ihr Sohn Doron Salomon teilte ihre Geschichte auf Twitter.

von Linda Göttner

Eine grauhaarige Frau mit Brille lächelt glücklich in die Kamera. Sie ist in einem Sainsbury's Supermarkt.

Die Supermarktkette Sainsbury's beschäftigte eine Frau mit Alzheimer

Doron Salomons Mutter, deren Name anonym bleiben soll, arbeitete zunächst als Buchhalterin. Sie sei eine organisierte Frau gewesen, habe gut mit Zahlen umgehen können, berichtet ihr Sohn. Doch als die Anzeichen für eine Alzheimer-Erkrankung immer deutlicher wurden, konnte sie diesen Beruf nicht länger ausüben. Eine weniger anspruchsvolle Tätigkeit konnte sie jedoch erledigen: Sie bewarb sich 2012 bei Sainsbury’s als Picker, um online bestellte Ware für die Auslieferung zusammenzustellen. Und sie bekam die Stelle.

Als im Jahr 2013 eine frühe Stufe von Alzheimer diagnostiziert wurde, blieb Salomons Mutter Angestellte bei Sainsbury’s. Und von da an verfolgte ihr neuer Arbeitgeber die Entwicklung der Frau – und unterstützte sie bestmöglich. Regelmäßig wurde sie in die Tätigkeiten eingearbeitet, stets begleitet von Gesprächen mit ihr und ihrem Mann. Die Kollegen der Filiale im Londoner Stadtteil Kenton wurden über die Erkrankung aufgeklärt, damit sie ihr in ihrem Arbeitsalltag beistehen konnten.

Die Firma stand zu ihr trotz Alzheimer

Diese Art der Unterstützung fand Doron Salomon "herausragend": "Sainsbury’s sah, wie sich der Zustand meiner Mutter verschlechterte – bis zu dem Punkt, an dem sie verwirrt in den Laden kam, als wäre sie noch nie zuvor dort gewesen. Die Firma hat immer zu ihr gestanden und ist noch weit darüber hinausgegangen. Sie hat sichergestellt, dass sie glücklich ist und sich geschätzt fühlt."

"Sie schufen eine Jobbeschreibung für sie, die nicht existierte, damit sie etwas in dem Laden erledigen konnte." Ihre Berufsbezeichnung jedoch blieb weiterhin die eines Pickers. Zu den Aufgaben gehörte fortan die Reinigung der Transportboxen, selbst wenn die Mitarbeiter dies bereits erledigt hatten. "Für meine Mutter wurde es der wichtigste Job", so Salomon. Insbesondere seien es Selbstwertgefühl und Stolz gewesen, welche sie durch die Arbeit und die Kollegen erfuhr, die ihr bei ihrer Erkrankung geholfen hätten, erklärt der Sohn.

Bis zum Schluss Teil des Teams

Sainsbury’s hielt auch noch an seiner Mitarbeiterin fest, als die Krankheit im Oktober 2017 so weit fortgeschritten war, dass die Frau nicht mehr arbeitsfähig war. Nach weiteren sechs Monaten folgte schließlich ihr letzter Arbeitstag. "Meine Mutter war aufgewühlt, aber erleichtert", twitterte Salomon. Für das Engagement bedankte er sich bei Sainsbury´s: "Das Management hat Anteilnahme gezeigt und alles mit Klasse und Würde erledigt. Diese Worte werden Sainsbury’s kaum gerecht, aber ich möchte ihnen im Namen meiner Familie danken. Sie waren fantastische Arbeitgeber, aber noch viel mehr: Auf der menschlichen Seite zeigten die Angestellten im Kenton Store Feingefühl, Freundlichkeit und Fürsorge. Dankeschön."


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