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INSOLVENZ: Unternehmenskrisen meist hausgemacht

Rechtzeitiges Handeln macht die meisten Insolvenzen vermeidbar. Ein gut durchdachtes Managementkonzept hilft, Krisen frühzeitig zu erkennen und entgegenzusteuern.

Die Mehrzahl aller Unternehmenskrisen hätte vermieden werden können, wenn frühzeitig gehandelt und entgegengesteuert worden wäre. Zu diesem Schluss kommt die Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, die insgesamt 30 Sanierungs- und Rekrutierungsfälle untersucht hat.

Der Mittelstand ist gefährdet

Laut Wieselhuber & Partner ist die Zahl der Sanierungs- und Rekrutierungsfälle in Deutschland rekordverdächtig. Vor allem Mittelstandsunternehmen seien »latent gefährdet«, heißt es in dem Bericht. Und das, obwohl das Insolvenzrecht von 1999 die Basis für frühzeitiges Handeln geschaffen hat: Stellt ein Unternehmen rechtzeitig einen Insolvenzantrag, kann der vom zuständigen Gericht bestellte Insolvenzverwalter ein Sanierungskonzept entwickeln und damit den drohenden Konkurs abwenden. Der Verwalter sucht zum Beispiel nach Käufern und sorgt dafür, dass die Beschäftigten drei Monate lang Insolvenzgeld vom Arbeitsamt bekommen.

Banken werden gerufen, »das Loch zu stopfen«

Diese Insolvenzregelung löst die alte Konkurs- und Vergleichsordnung ab. Zuvor hatten Firmen häufig erst Konkurs angemeldet, wenn »nichts mehr ging«. Jetzt kann auf der Grundlage des Insolvenzplans geprüft werden, ob das Unternehmen nicht doch noch saniert werden kann. Um ein Insolvenzverfahren zu eröffnen, muss allerdings genug Masse (verwertbares Vermögen) vorhanden sein. Oftmals überbrücken die Banken mittels eines Massekredits.

Erster Schritt: Gefahrenquellen erkennen

Wieselhuber & Partner plädiert jedoch dafür, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen und sich rechtzeitig um ein handlungsfähiges Management zu kümmern. Der erste Schritt hierfür ist das Erkennen von Gefahrenquellen: geringe Eigenkapitalquote, hohe Struktur- und Overheadkosten und auch in guten Zeiten ein niedriges Renditenniveau. »Geht auf dieser Basis der Cashflow (flüssige Mittel, die dem Betrieb in einer bestimmten Periode zur Verfügung stehen) zurück, können die Geschäfte nicht mehr aus eigener Kraft finanziert werden. Wenn zusätzliches Fremdkapital nicht zur Verfügung steht, ist die Liquiditätskrise da.«

Einige Branchen besonders gefährdet

Die größte Bedrohung für Unternehmenskrisen fanden Wieselhuber & Partner in den Branchen Maschinenbau, Informationstechnologie, Bau- und Immobilienwirtschaft sowie im Großhandel. »Krisenbeschleuniger Nummer eins« ist schlechtes Liquiditätsmanagement. Anstatt die Ausgaben sinnvoll umzustrukturieren und Finanzlücken zu schließen werden oft die Banken als »Lückenfüller« gerufen.

Das Konzept muss von Beginn an stimmen

»Letztlich«, so heißt es in dem Bericht, »entscheidet das Sanierungskonzept über Erfolg oder Misserfolg.« In der vorliegenden Studie waren nur die Sanierungen erfolgreich, bei denen das Konzept von Beginn an stimmte, das heißt, die konzeptspezifischen Skills eindeutig definiert waren. Als besonders wichtig nennt Dr. Wieselhuber & Partner ein »faktenorientiertes und emotionales Krisenmanagement«.

Konzentration auf rentable Geschäfte

Erfolg versprechende Maßnahmen, so hat die Untersuchung ergeben, sind vor allem die Konzentrierung auf rentable Geschäfte. Außerdem ist es wichtig, den Break Even, also jenes Absatz- oder Umsatzvolumen, von dem an ein Unternehmen in die Gewinnzone gelangt, zu senken. Dieses wird durch Steigerung von Produktivität und Flexibilität (zum Beispiel durch Variablisierung von Fixkosten) erreicht. Darüber hinaus lohnt es sich, das in Anspruch genommene Kapital zu reduzieren.

Natalie Lux

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