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INSOLVENZEN: Größte Pleitewelle der Nachkriegsgeschichte

Der Inkasso-Verband rechnet 2002 mit einem Pleiterekord in Deutschland. Nicht nur bei Unternehmen, sondern stärker noch bei Privatpersonen wird nach Schätzung des Verbandes die Zahl der Insolvenzen steigen.

Der Bundesverband der Inkasso-Unternehmen (BDIU) erwartet in Deutschland in diesem Jahr die größte Pleitewelle der Nachkriegsgeschichte. Nicht nur bei Unternehmen, sondern stärker noch bei Privatpersonen wird nach Schätzung des Verbandes die Zahl der Insolvenzen steigen.

In den ersten drei Monaten sei die Zahl der Unternehmens-Insolvenzen um 15 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen, teilte der BDIU am Dienstag in Hannover anlässlich seiner Mitgliederversammlung mit. Für das Gesamtjahr rechne der Verband mit einer Rekordzahl von mehr als 37.000 Unternehmenspleiten, vorrangig im Mittelstand, sagte Verbandspräsident Ulf Giebel.

Dies seien zwar knapp zehn Prozent weniger als die Anfang April vom Informationsdienstleister Creditreform prognostizierten 40.000 Pleiten, aber immer noch 5.000 mehr als im vorigen Jahr. Nach Schätzungen des Verbandes werden in diesem Jahr 550.000 bis 600.000 Arbeitsplätze durch Firmenpleiten verloren gehen. Hinzu kämen voraussichtlich 30.000 weitere private Insolvenzen von Verbrauchern und ehemals Selbstständigen und damit doppelt so viele wie im Vorjahr.

»Das ist die größte Pleitewelle der Nachkriegsgeschichte«, sagte Giebel. Neben der schlechten Konjunktur sei ein wesentlicher Grund für die gewerblichen Insolvenzen die zunehmend schlechtere Zahlungsmoral von Kunden, insbesondere im Baugewerbe. Rechnungen würden von gewerblichen wie privaten Kunden zunehmend später oder gar nicht bezahlt. Im BDIU sind drei Viertel der 650 zugelassenen Inkasso-Unternehmen zusammengeschlossen, deren Aufgabe ist, Forderungen im Auftrag von Gläubigern außergerichtlich einzutreiben.

Neben dem Baugewerbe befürchtet insbesondere der Einzelhandel für 2002 eine Welle von Geschäftsaufgaben. Der Branchenverband HDE hatte kürzlich erklärt, bei anhaltendem Umsatzrückgang seien in diesem Jahr 15.000 Geschäfte mit rund 50.000 Beschäftigten gefährdet.

Hauptgrund, warum private Verbraucher ihre Rechnungen nicht bezahlen, ist nach Erkenntnissen des BDIU in fast allen Fällen Überschuldung - häufig verbunden mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. Hinzu komme eine Verunsicherung durch die Euro-Einführung. Viele Bürger rechneten noch in D-Mark. »Die Deutschen müssen den Umgang mit dem neuen Geld noch lernen«, sagte Giebel.