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Arbeitszeit: Freitags haben alle frei - wie eine Kölner Firma auf die Vier-Tage-Woche umstellte

Langes Wochenende für alle: Eine Agentur aus Köln hat den Schritt gewagt und die Arbeitszeit so reduziert, dass alle Mitarbeiter am Freitag frei haben. Darauf mussten sich Kunden erst einmal einstellen - und auch die Arbeitsverträge mussten geändert werden.

4-Tage-Woche: Wie eine Agentur die Arbeitszeit anpasste

4-Tage-Woche: Wie eine Agentur die Arbeitszeit anpasste

Schon das Sams wusste: Freitag hat man frei. Blöd nur, dass das Sams eine Fantasiegestalt aus einem Kindermärchen ist. Und Arbeitgeber auf Erfüllung des Arbeitsvertrags pochen. Wer also im Job in Vollzeit arbeitet, muss auch am Freitag ins Büro - Ende der Diskussion.

Oder aber Anfang für Überlegungen: Eigentlich reichen die Wochenenden doch schon längst nicht mehr aus, um sich ausreichend zu erholen. Wie schön wäre es, wenn man einfach etwas mehr an den übrigen Tagen in der Woche arbeiten könnte - und dafür am Freitag frei hätte? Das dachte sich auch Nadine Mohr, Geschäftsführerin der Kölner Digital­agentur "young and hyperactive". "Die Auslastung bei uns ist hoch, ein Projekt jagt das nächste, und die Wochenenden sind immer viel zu kurz. Eigentlich sind wir alle nie zur Ruhe gekommen", erzählt sie im Interview mit "Page". 

Nur noch vier Tage pro Woche: Was sagen die Kunden?

Mohr war im Netz auf 4-Tage-Modelle aufmerksam geworden - und wollte das auch ausprobieren. Doch sie fürchtete auch die Auswirkungen. "Meine größte Sorge war, wie unsere Kunden reagieren würden, denn sie fordern Erreichbarkeit", so die Chefin im Interview. Wichtig war ihr, dass es eine Erreichbarkeit gebe, so dass im Notfall Mitarbeiter einspringen können, wenn es brennt. Dann wagte Mohr den Schritt: "Schließlich haben wir entschieden, es einfach auszuprobieren."

Zunächst informierte sie die Kunden über die neue Struktur. "Zugleich haben wir zugesichert, dass die Projekte rechtzeitig fertig werden und eine Notfall-E-Mail-Adresse eingerichtet, damit nicht das Ge­fühl entsteht, am Freitag allein gelassen zu werden", so Mohr zu "page-online.de". Dabei erklärte sie den Kunden, dass sie sich von diesem radikalen Schritt erhoffte, dass ihre Mitarbeiter am Montag endlich mal wieder den Kopf frei hätten, um "motivierter und kreativer" zu arbeiten.

Vier-Tage-Woche - aber volles Gehalt

Aber auch bei den Arbeitsverträgen gab es Änderungen. Denn bislang arbeiteten die Kollegen 40 Stunden in der Woche - das ist bei einer 4-Tage-Woche kaum zu schaffen. Also änderte sich die Gesamtarbeitszeit auf 36 Stunden, die an vier Tagen geleistet werden. "Die eine Stunde mehr fällt kaum auf. Wenn jemand doch am Freitag arbeiten will, bekommt er den Tag extra vergütet. Ge­hälter und Urlaubstage haben wir nicht reduziert", so Mohr

Und? Hat sich der Schritt gelohnt? Mohr zieht ein positives Fazit: Die Mitarbeiter sind entspannter, einige würden sich an dem freien Tag weiterbilden oder an eigenen Projekten arbeiten. Oder einfach die Zeit für die Familie nutzen. 

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kg
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