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Tipps vom Jobcoach: Wie schaffe ich den Berufseinstieg trotz Corona-Krise?

Die aktuelle Krise wirkt sich auf einige Menschen besonders ungünstig aus – so zum Beispiel auf junge Menschen, die darauf brennen, sich erstmals am Arbeitsmarkt zu beweisen. Wie Sie sich von Corona nicht entmutigen lassen und bei der Jobsuche motiviert am Ball bleiben, verrät Jobcoach Ragnhild Struss.

Berufseinsteiger

Berufseinsteiger sollten sich trotz Corona-Krise nicht verrückt machen

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Frage: "Ich bin gerade mit dem Studium fertig geworden und eigentlich total motiviert, jetzt ins Berufsleben einzusteigen. Leider macht mir die Krise einen Strich durch die Rechnung. Mein erster Vertrag war sogar schon unterschrieben, doch dann wurde er wegen der aktuellen Situation wieder zurückgezogen. Von vielen anderen Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, kam gar keine Rückmeldung. Langsam verliere ich die Zuversicht. Muss ich jetzt warten, bis diese Pandemie vorüber ist, um normal arbeiten zu können?" 

So wie Ihnen geht es vielen: Die Corona-Krise legt den Allermeisten gerade Steine in den Weg und in fast jeder Branche kann die Arbeit momentan nur eingeschränkt ausgeführt werden. Doch das bedeutet nicht, dass die Dinge gar nicht weitergehen – oder gar, dass Sie den Kopf in den Sand stecken und einfach abwarten sollten, bis alles vorüber ist. Denn zum einen ist noch völlig unklar, wann das sein wird – es deutet alles darauf hin, dass wir längerfristig einen Umgang mit dem Virus finden und uns entsprechend anpassen müssen. Zum anderen bringt es nichts zu resignieren, sondern Sie sollten versuchen, wichtige anstehende Pläne trotz Corona so gut es geht umzusetzen.

Ragnhild Struss, 41, hilft Menschen dabei, ihre innere Stimme zur Autorität zu machen. In ihrem Unternehmen "Struss & Claussen Personal Development" entwickelt sie Karrierewege, die nicht zwangsweise "nach oben" führen, sondern zu sich selbst – ob in der Kfz-Werkstatt oder im Konzern. Mit Toni Knows hat sie eine Web-Applikation auf den Markt gebracht, die Abiturient*innen auf Basis einer fundierten Persönlichkeitsanalyse passgenaue Studien- und Berufsempfehlungen bietet.

Ragnhild Struss, 41, hilft Menschen dabei, ihre innere Stimme zur Autorität zu machen. In ihrem Unternehmen "Struss & Claussen Personal Development" entwickelt sie Karrierewege, die nicht zwangsweise "nach oben" führen, sondern zu sich selbst – ob in der Kfz-Werkstatt oder im Konzern. Mit Toni Knows hat sie eine Web-Applikation auf den Markt gebracht, die Abiturient*innen auf Basis einer fundierten Persönlichkeitsanalyse passgenaue Studien- und Berufsempfehlungen bietet.

Hersteller

Corona hin oder her: Am wichtigsten ist ein Job, der zu Ihnen passt

Ganz wichtig ist zunächst die Erkenntnis, welcher Job überhaupt der richtige für Sie ist. Lassen Sie sich auf keinen Fall von der aktuellen Lage dazu verlocken, einfach irgendeinen Job anzunehmen – nach dem Motto "Hauptsache, ich habe überhaupt etwas". Gerade als Berufseinsteiger legen Sie jetzt den Grundstein für Ihre weitere Karriere und sollten dabei nicht "wahllos" vorgehen, sondern die Richtung einschlagen, in die Sie sich auch entwickeln möchten.

Brainstormen Sie – gerne auch mit einer Ihnen nahestehenden Person, die Sie gut kennt und Ihnen objektives Feedback gibt – in Ruhe, was Sie ausmacht: Welche Stärken, Potenziale, Eigenschaften und Talente kennzeichnen Sie? Welche Bedürfnisse haben Sie in Bezug auf einen Job, und welche Ihnen wichtigen Werte möchten Sie auch bei Ihrem künftigen Arbeitgeber erfüllt sehen? Nur wenn Sie auf diese Weise eine wirklich zu Ihnen passende Arbeit auswählen, werden Sie langfristig berufliche Erfüllung finden – also beginnen Sie bei sich selbst und Ihrem Wesenskern, statt nur auf Angebote von außen zu reagieren.

Stressfaktor soziale Vergleiche abbauen

Wenn Sie eines in dieser ohnehin schon belastenden Situation nicht gebrauchen können, dann ist es selbstgemachter Stress durch sozialen Wettbewerb. Ihre Kommilitonen sind alle schon irgendwo untergekommen und scheinen ihr Leben ohnehin wesentlich besser im Griff zu haben als Sie? Solche Vergleiche sind Gift für Ihr Selbstwertgefühl! Als Basis dafür ziehen wir oft die Art, wie sich jemand in den sozialen Medien präsentiert, heran. Machen Sie sich unbedingt klar, dass Menschen sich auf Instagram und Co. immer nur von ihrer besten Seite darstellen und vieles in Wirklichkeit nicht so perfekt ist, wie es oft aussieht.

Was Sie möglicherweise als "Person X hat sich offenbar ganz leicht ihren Traumjob geangelt" wahrnehmen, kann in der Realität mit sehr viel Arbeit, Schweiß und Tränen verbunden gewesen sein. Mein Tipp: Versuchen Sie am besten, sich allgemein weniger mit anderen zu vergleichen und Ihren eigenen Wert nicht in Konkurrenz zu "Mitstreitern" zu betrachten! Fokussieren Sie sich auf das, was Sie ausmacht, was Sie können und wo Sie hinwollen – dann sind Sie schon mal auf einem guten Weg.

Realistische Erwartungen – nicht nur in Corona-Zeiten

Einige Erfahrungen bei der Jobsuche, die Sie beschreiben, haben womöglich gar nichts mit der Pandemie zu tun, sondern gehören zum normalen Bewerbungsprozess dazu. Es ist zum Beispiel nicht selten, dass Unternehmen sich erst nach Monaten auf eine Bewerbung rückmelden und dass es – ob für Berufseinsteiger oder Joberfahrene – manchmal sehr lange dauern kann, bis die richtige Stelle gefunden wird.

Achten Sie außerdem auf Ihre Grundeinstellung: Je mehr Sie sich als Opfer der Umstände sehen, desto mehr nehmen Sie sich selbst Kontrolle und Handlungsmöglichkeiten über Ihren beruflichen Erfolg. Ja, die Pandemie beeinflusst zwar den Arbeitsmarkt, aber es werden dennoch Tag für Tag neue Mitarbeiter eingestellt – Corona sollte also nicht als "Ausrede" dienen, um es gar nicht mehr erst zu versuchen. Kultivieren Sie unbedingt weiterhin den Glauben: "Ich habe es in der Hand und wenn ich dranbleibe, finde ich auch einen Job!"

Sich durch Vorbereitung einen Wettbewerbsvorteil verschaffen

Statt an der Situation zu verzweifeln, machen Sie es anders und nutzen Sie diese Zeit produktiv, um später bei der Jobsuche die Nase vorne zu haben: mit einem intensiven "Training" in Bezug auf sämtliche Aspekte Ihres Bewerbungsprozesses! Feilen Sie an Ihrem Bewerbungsschreiben und pimpen Sie Ihren Lebenslauf. Üben Sie mit Freunden die Jobinterview-Situation, sowohl von Angesicht zu Angesicht als auch über Videochat.

Strukturieren Sie sich selbst Ihren Tagesablauf und füllen Sie ihn mit produktiven Tätigkeiten, die Sie noch mehr fürs Arbeitsleben qualifizieren, zum Beispiel Online-Weiterbildungen, Lesen von (Fach-)Literatur oder Dokumentationen über die Sie interessierende Branche. Verschicken Sie so oft wie möglich Bewerbungen. Indem Sie sich jetzt disziplinieren, sich motiviert vorbereiten und aktiv bleiben, machen Sie sich selbst Ihren tatsächlichen Berufseinstieg leichter, wenn es so weit ist. Denn ganz im Sinne des "life-long learning" gibt es immer etwas Interessantes, womit Sie Ihren Geist füttern können – und die jetzige Phase ist dafür ideal geeignet!

Fazit: Dranbleiben und Ausdauer beweisen

Sie sehen: Die Lösung kann also nur sein, nicht aufzugeben. Doch wie können Sie sich dazu motivieren, an dem großen Projekt Jobsuche dranzubleiben, auch wenn erst mal die Erfolgserlebnisse ausbleiben? Zerlegen Sie zum Beispiel das Vorhaben in mehrere kleine Schritte (Salamitaktik), die Sie dann kontinuierlich abhaken können und so das Gefühl haben voranzukommen – etwa "Lebenslauf updaten", "neue Stellen recherchieren", "das Anschreiben für eine Stelle anpassen" etc.

Was außerdem hilft, ist, sich für erreichte Zwischenziele zu belohnen und auch kleine Erfolge zu feiern (zum Beispiel "fünf Bewerbungen rausgeschickt" oder "zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden"). Denken Sie daran: Unser Leben geht weiter und früher oder später wird es auch wirtschaftlich wieder bergauf gehen. Lassen Sie sich von der Pandemie nicht entmutigen, sondern bleiben Sie beherzt und zuversichtlich am Ball, dann werden Sie Ihren Berufseinstieg schaffen!