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Umfrage unter Bewerbern: So schwierig ist die Jobsuche in der Coronakrise

Wie erleben Menschen, die gerade auf Jobsuche sind, den Arbeitsmarkt? Eine Umfrage unter knapp 1800 Bewerbern zeigt, mit welchen Problemen sie in der Coronakrise zu kämpfen haben.

Video Call

Viele Unternehmen haben wegen der Coronavirus-Pandemie auf virtuelle Bewerbungsgespräche umgestellt

Getty Images

Es ist keine einfache Zeit, um einen neuen Job zu finden. Vielerorts herrscht Einstellungsstopp und Kurzarbeit, auch um Entlassungen werden viele Unternehmen nicht herumkommen. Einer aktuellen Umfrage zufolge finden es rund 70 Prozent der Bewerber schwieriger, in der Coronakrise einen neuen Job zu finden.

Das ist das Ergebnis einer Befragung des Recruitingunternehmens Softgarden und des Fachblatts "Personalmagazin". Für den Report wurden zwischen 15. April und 5. Mai 1788 Bewerber befragt, die sich aktuell auf eine neue Stelle beworben haben. Zudem kamen auch 130 Verantwortliche aus Personalabteilungen zu Wort.

Nicht alle der befragten Bewerber sind Getriebene der Coronakrise . Viele wollen auch einfach ganz normal den nächsten Karriereschritt gehen oder einen besseren Arbeitgeber finden. Aber immerhin drei von zehn Befragten bewarben sich ausdrücklich wegen der Coronakrise auf einen neuen Job – sei es wegen Kündigung, Kurzarbeit oder mangelnder Perspektive in einer von der Krise besonders getroffenen Branche.

Weniger Stellen und Video-Interviews

Die Jobsuche gestaltet sich dabei für viele derzeit schwierig. So berichten Bewerber, dass Firmen derzeit nur verzögert oder gar nicht auf Bewerbungen reagieren. In einem Fall wurde eine bereits zugesagte Stelle kurz vor Antritt wieder zurückgezogen. Besonders schwierig ist die Situation für Eltern kleiner Kinder, wie ein Betroffener schildert: "Ich bin derzeit arbeitssuchend mit Kind und habe jetzt (a) noch mehr Probleme einen Job zu finden und (b) Schwierigkeiten mit der Arbeitsagentur, da ich dem Arbeitsmarkt aufgrund der fehlenden Betreuung formal ja gar nicht zur Verfügung stehe."

Rund zwei Drittel der Befragten stellen fest, dass Unternehmen derzeit weniger Stellen ausschreiben. 60 Prozent berichten zudem, dass viele Unternehmen keine Bewerbungsgespräche mehr führen. Zugleich beobachten ebenfalls 60 Prozent, dass Unternehmen verstärkt auf virtuelle Bewerbungsverfahren wie Video-Interviews setzen. Diese empfinden viele Bewerber eher als Notlösung. "Das Gespräch war in Ordnung. Es wäre aber schöner gewesen, die Personen 'direkt' kennen zu lernen. Es ist schwieriger, sich einen Eindruck von den Personen über ein Videogespräch zu machen", lautet einer von vielen Kommentaren mit ähnlichem Tenor.

Herausforderung Video Call

Und wie sehen die Personaler die Lage? Die befragten Personalverantwortlichen bestätigen, dass die aktuelle Recruiting-Situation schwierig ist. 57 Prozent erklären, sie würden deutlich weniger rekrutieren und nur noch dringend benötigte Mitarbeiter einstellen. Knapp 47 Prozent berichten sogar von einem generellen Einstellungsstopp in ihrer Firma.

Darüberhinaus scheint die Umstellung auf virtuelle Bewerbungsverfahren unterschiedlich gut zu funktionieren. So erklären immerhin 36 Prozent, sie hätten komplett auf virtuelle Verfahren umgestellt und würden auf dieser Grundlage auch Vertragsangebote machen. Andere haben nur einen Teil des Prozesses umgestellt und/oder führen weiterhin persönliche Jobinterviews unter Wahrung von Abstandsregeln. Und jeder fünfte Personaler sagt: "Wir würden gerne weiterrekrutieren, schaffen es aber nicht, auf virtuelle Verfahren umzustellen."

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