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KARRIERE: Sozialkompetenz ist das Sahnehäubchen

Die Sozialkompetenz spielt bei der Auswahl von Führungskräften nach Ansicht von Fachleuten in der derzeitigen Wirtschaftslage nur eine geringe Rolle.

Sozialkompetenz spielt bei der Auswahl von Führungskräften nach Ansicht von Fachleuten in der derzeitigen Wirtschaftslage nur eine geringe Rolle. »Wenn es hart auf hart geht, ist das Softe nicht gefragt«, sagte der Augsburger Psychologe und Professor für Personalwesen, Oswald Neuberger, in einem dpa-Gespräch.

An der Beförderungspraxis lasse sich ablesen, dass in der Regel nicht der vorankomme, der nett sei und sich um alle kümmere, sondern eher härtere Typen. »Sie müssen auch Ellbogen haben und harte Entscheidungen treffen können.« Die Sozialkompetenz sei vielmehr nur das »Sahnehäubchen«.

Vor allem Frauen legen nach den Beobachtungen Neubergers oft ein zu großes Gewicht auf weiche Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Aufopferung oder Teamfähigkeit. Dadurch würden sie nicht ausreichend stark wahrgenommen. »Nicht allein die Leistung zählt, das erleben oft Frauen«, sagte Neugebauer. Stattdessen müssten die richtigen Kontakte und Netzwerke geknüpft werden. »Es muss jemand die Leistung erkennen und sich für denjenigen einsetzen, wenn die Besetzung einer neuen Stelle ansteht«, erklärte der Psychologe. Gerade unter den Großen in der Wirtschaft seien einige, die sehr hart durchgriffen, stark von sich überzeugt seien und ohne Rücksicht ihre Ideen durchsetzten.

»Moderne Unternehmen gehen unter dem Globalisierungsdruck oft sehr rüde mit ihren Mitarbeitern um«, sagte Neugebauer. Der aus wirtschaftlichen Gründen härtere Ton bringe Chefs in eine Zwickmühle, etwa bei Entlassungen oder ähnlich tiefen Einschnitten. »Sie sollen auf der einen Seite loyal gegenüber ihrer Firma sein, aber sollen das gleichzeitig auch mit Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und dergleichen machen.« Unter diesem Druck von oben und von unten litten viele Manager. »Sie brennen aus«, erklärte der Psychologe.

dpa

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