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Drohungen auf Facebook: Burger-Laden muss schließen - wegen "Erdogan-Burger"

"Natürlich mit Ziegenkäse!" Ein Burger-Laden in Köln hat einen "Erdogan-Burger" im Angebot - und musste nun schließen, weil Anhänger des türkischen Präsidenten auf Facebook drohten.

Nur mit Ziegenkäse wird's ein echter Erdogan-Burger (Symbolfoto)

Nur mit Ziegenkäse wird's ein echter Erdogan-Burger (Symbolfoto)

Am 1. Mai waren sie erstmal ausverkauft. Erst eine Woche zuvor hatte Jörg Tiemann, Geschäftsführer des "Urban Burgery" in Köln, in seinem Laden eine kulinarische Neuschöpfung angeboten: Den Erdogan-Burger- "natürlich mit Ziegenkäse." Der Laden warb mit dem Slogan: "Saulecker, saftig und der Burner ist Erdogan, der Burger. Sein Gewicht ist mehr als jeder Döner - nur sein Geschmack, der ist noch schöner."

Der Hintergedanke war offensichtlich. Tiemann wollte auf Jan Böhmermann anspielen, der den türkischen Präsidenten in seinem Schmähgedicht als "Ziegenficker" bezeichnet und sich damit ein Strafverfahren eingehandelt hatte. Und die Begeisterung der Kundschaft war erstmal groß. So schnell waren die Burger ausverkauft, dass Tiemann sein Geschäft am 1. Mai vorübergehend schließen musste.

Erdogan-Anhänger stoßen Drohungen aus

Nun ist der Laden aus anderen Gründen dicht. Per Facebook erreichten den Geschäftsführer Drohungen. "Die Inhaber des Urban Burgery sehen sich gezwungen, ihr Geschäft bis auf Weiteres zu schließen", teilte er auf der Facebook-Seite des Geschäfts mit. Es habe "konkrete Bedrohungen" gegeben. Ein Erdogan-Anhänger habe auf Facebook dazu aufgerufen, dem Laden einen "Besuch" abzustatten. "Beleidigungen, Lügen und Hetztiraden haben wir mit größter Verwunderung aber ohne Not ertragen", heißt es weiter. "Über die heutigen konkreten Bedrohungen können wir zum Schutze unserer Mitarbeiter jedoch nicht mehr hinweggehen."


Wie Tiemann "Spiegel online" erzählte, habe er drei Mitarbeiter beschäftigt - alle türkischer Herkunft. Eine Mitarbeiterin habe "Schiss" bekommen, mit dem Geschäft in Verbindung gebracht zu werden. Einem anderen sei alles zu politisch geworden.

Da "politisch essen" aber ohnehin Tiemanns Geschäftsmodell ist, will er sich nicht kleinkriegen lassen. Per Facebook nimmt er Stellung zu politischen Themen, beklagt etwa die Verurteilung der beiden "Cumhuriyet"-Journalisten Can Dündar und Erdem Gül. Dass der Erdogan-Burger außerdem ein Verkaufsschlager war und sich mit politischen Statements in der Böhmermann-Sache Kasse machen lässt, ist Tiemann sicher auch bewusst. Für den Service hat er nun bereits Ersatz organisiert, wohl schon am morgigen Mittwoch soll die "Urban Burgery" wieder eröffnen. Und für die Zukunft sind weitere kulinarische Coups geplant - etwa ein "AfD"-Burger mit Spargel-"Minarett".

car