VG-Wort Pixel

Fitnessstudio, Skiurlaub, Marathon Was darf ich trotz Krankschreibung machen?

Darf ich mit Krankschreibung feiern und Sport machen? Es kommt auf den Einzelfall an
Darf ich mit Krankschreibung feiern und Sport machen? Es kommt auf den Einzelfall an
© Colourbox.de
Wer beim Blaumachen erwischt wird, kann gekündigt werden. Aber muss ich wegen Krankschreibung gleich im Bett bleiben? Nein! Im Einzelfall darf man sogar Marathon laufen. Das sagen die Arbeitsgerichte.
Von Daniel Bakir

Nicht immer sind Angestellte, die sich krank melden, wirklich krank. Um Blaumacher zu überführen, schalten manche Arbeitgeber sogar Detektive ein. Das ist aber nur erlaubt, wenn ein konkreter Verdacht besteht, wie das Bundesarbeitsgericht in einem aktuellen Fall entschieden hat. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass Ihnen die Firma bei einer Krankschreibung einen Profi-Spitzel auf den Hals hetzen darf.

Allerdings: Dass Ihnen Kollegen während einer Krankheit zufällig über den Weg laufen, kann immer passieren. Oder dass Sie Fotos von Aktivitäten auf Facebook posten, die auch der Chef zu Gesicht bekommt. Viele fragen sich daher: Was darf ich machen, wenn ich krankgeschrieben bin? Muss ich den ganzen Tag im Bett verbringen und Hühnersuppe schlürfen? Oder darf ich mich, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, draußen blicken lassen?

Grundsätzlich gilt, dass krankgeschriebene Mitarbeiter sich gesundheitsfördernd verhalten müssen. Was das konkret bedeutet, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Wer erkältet ist, kann in der Regel trotzdem spazieren gehen, frische Luft tut schließlich gut. Sich zwei Stunden frierend in den Fanblock des Fußballclubs zu stellen, wäre dagegen wenig förderlich.

So haben deutsche Gerichte im Einzelfall entschieden:

Skiurlaub mit Hirnhautentzündung - geht gar nicht

Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer muss sich so verhalten, dass er schnell wieder gesund wird - dies hat das Bundesarbeitsgericht bereits 2006 festgestellt. Ein Angestellter war trotz Hirnhautentzündung in die Schweiz zum Skifahren gereist. Dort brach er sich beim Skikurs Schien- und Wadenbein. Die Richter entschieden, dass der Angestellte niemals auf die Piste gedurft hätte. Die fristlose Kündigung sei daher rechtens (AZ: 2a ZR 53/05). Der Gekündigte hätte es besser wissen müssen: Er arbeitete selbst als Gutachter für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen beim medizinischen Dienst der Krankenkassen.

Fitnessstudio hilft bei der Genesung

Wer pumpen geht, kann nicht allzu krank sein. Das dachte sich der Arbeitgeber eines Kfz-Prüfingenieurs, der trotz Grippe-Krankschreibung im Fitnessstudio gesichtet worden war. Der Angestellte, der in der Firma schon zuvor nicht gut gelitten war, erhielt die fristlose Kündigung. Doch das Landesarbeitsgericht Köln spielte nicht mit: Der Mann habe im Fitnessstudio lediglich leichtere Übungen gegen Nackenverspannungen ausgeführt. Diese seien dazu geeignet, die Genesung voranzubringen (AZ: 9 Sa 1581/10).

Marathonlaufen mit gebrochener Schulter

Sogar Leistungssport kann okay sein, solange er die Genesung nicht beeinträchtigt. Ein Lagerist hatte sich bei einem Fahrradunfall das linke Schulterblatt gebrochen und war daraufhin länger arbeitsunfähig. Zwölf Tage nach dem Unfall absolvierte der Leistungssportler einen 53-Kilometer-Lauf in Österreich, kurz darauf nahm er am Schwäbische-Alb-Marathon teil. Der Arbeitgeber erfuhr aus der Zeitung von den sportlichen Großtaten des arbeitsunfähigen Mitarbeiters und kündigte fristlos. Zu Unrecht, wie das Arbeitsgericht Stuttgart entschied (AZ: 9 Ca 475/06). Denn der Marathonläufer hatte sich von seinem Arzt bescheinigen lassen, dass die Läufe den Heilungsprozess nicht beeinträchtigten.

Schwangere Frau hochgehoben - und gekündigt

Manchmal reicht schon ein Foto auf Facebook für die fristlose Kündigung. Ein Lagerist war wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben, wollte aber seine Hochzeit nicht verschieben. Das wäre wohl noch durchgegangen, hätte er nicht auf Facebook Fotos veröffentlicht, auf denen er seine hochschwangere Frau durch ein Herz trägt, das in ein Laken geschnitten war. Ein Urteil wurde in der Sache allerdings nicht gesprochen, weil sich die Parteien außergerichtlich einigten (Az.: 3 Ca 1384/13).

Schwarz arbeiten mit Krankschreibung

Wer sich arbeitsunfähig gemeldet hat, sollte in der gleichen Zeit keine Aufträge für schwere körperliche Schwarzarbeit annehmen. Ein krankgeschriebener Metallarbeiter bot auf telefonische Anfrage hin an, bei Innenausbauarbeiten helfen zu können - Wände einreißen, Mauern und Malern. Dumm nur, dass der Auftrag von einem Lockvogel des Arbeitgebers kam. Die ohnehin bereits ausgesprochene betriebsbedingte Kündigung wurde in eine außerordentliche Kündigung umgewandelt (AZ: 6 Sa 1593/08).


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker