Manager Die Oldies sind zurück


Auf dem Höhepunkt der "New Economy" zählte man sie zum alten Eisen: Ältere Manager, die fleißig die Karriereleiter in ihren Unternehmen erklommen hatten. Doch die Revolution währte nur kurz.

Sie konnten oft nicht einmal einen Computer bedienen und galten als unfähig, die Trends der Zukunft zu erkennen. In den StartUps während des Internet-Booms wurden stattdessen unbekümmerte Jungmanager zu Vorstandschefs befördert, T-Shirt und Turnschuhe lösten feines Tuch und Leder ab. Doch die Revolution währte nur kurz. Inzwischen sind die Oldies zurück in den Top-Etagen - und sie wollen es noch einmal wissen.

Bei Salamander regiert ein drahtiger Senior

Beispiel eins: Salamander. Der Mutterkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) hatte Michael Gaßner (48), einen typischen Nachwuchsmanager, im vergangenen Frühjahr an die Spitze des kränkelnden Schuh- und Dienstleistungskonzerns berufen. Doch nach nur neun Monaten war Schluss: Der neue Salamander-Chef heißt nun Volker Grub und ist 65 Jahre alt. Dem drahtigen Rechtsanwalt, der als Insolvenzverwalter bekannt geworden ist, mangelt es nicht an Selbstbewusstsein: "Dieser Job ist mir eigentlich auf den Leib geschnitten", verkündete Grub bei seiner Ernennung.

Hewlett-Packard holt den Senior zurück

An der Spitze der deutschen Tochter des Computerkonzerns löste Heribert Schmitz (57) erst im Februar 2001 Rainer Geissel (49) ab. Doch nach der Fusion mit dem Konkurrenten Compaq im vergangenen November lief Schmitz’ Amtszeit ab: Sein Nachfolger ist Geissels Vorgänger, der prominente Informationstechnologie-Manager Menno Harms (63). "Ich war selbst überrascht", kommentierte der seine Rückkehr ins operative Geschäft. Die Leitung einer in der Zwischenzeit gegründeten eigenen Beratungsfirma vertraute er seiner Frau an. Mit Harms wagte HP also schon den zweiten Generationswechsel - im umgekehrten Sinn.

Erfahrung zählt

HP und Salamander mögen besonders auffällige Beispiele sein, doch der allgemeine Trend geht in die gleiche Richtung. "Erfahrung zählt. Der 56-Jährige hat heute viel größere Chancen auf einen Job in der ersten Führungsebene als noch vor zehn Jahren", berichtet Lothar Heimeier von der Personalberatung Dr. Heimeier & Partner. Früher wurde der Headhunter in Unternehmen oft von Jünglingen empfangen. "Ich dachte manchmal, das ist der Laufbursche, es war aber der Vorstand." Viele dieser jungen Top-Manager seien heute arbeitslos. "Sobald der erste Wind von vorn blies, waren sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Wir haben eine ganze Management-Generation zu früh verbrannt", zieht Heimeier Bilanz.

Neue Berufsfelder für Oldies

Den Oldies tun sich daher ganz neue Berufsfelder auf. Dazu zählt zum Beispiel der so genannte Interims-Manager, der nur auf Zeit die Leitung einer Firma übernimmt und sich anschließend wieder seinen Hobbys widmen kann. Oft genug fällt es reiferen Managern aber auch schwer, sich ganz aufs Altenteil zu setzen. Harms’ Kollege Klaus Plönzke, dessen einstige Firma seit 1995 zum multinationalen IT- Dienstleister CSC gehört, gründete gerade im Alter von 66 Jahren ein neues Unternehmen, die Plönzke & Company AG. Mindestens drei Jahre noch will er Vorstandschef bleiben. Dem "manager magazin" verriet er auch den Grund: "Ich fühle mich nämlich zehn Jahre jünger."


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