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Managergehälter: Kritik an Geheimniskrämerei um Vorstandsbezüge

Was deutsche Top-Manager verdienen, ist meistens ein Geheimnis. Der Ruf wird lauter, die Bezüge offen zu legen. Das fordert auch Bundespräsident Köhler. Immerhin: Bahn und KfW werden diese Zahlen erstmals veröffentlichen.

Die Geheimniskrämerei um die Gehälter in vielen deutschen Chefetagen stößt bei Politikern und Top-Managern auf Kritik. Der Vorstandschef des Pharma-Konzerns Altana, Nikolaus Schweickart, kritisierte die mangelnde Bereitschaft zur Transparenz vieler großer Unternehmen. Bundespräsident Host Köhler forderte Aktiengesellschaften auf, die Vorstandsbezüge nach US-Vorbild zu veröffentlichen. Das hält der Betriebsratschef von DaimlerChrysler, Erich Klemm, nicht für notwendig.

Schweickart appellierte dem "Spiegel" zufolge an die Kollegen, die ihre Gehälter noch nicht aufschlüsseln, mehr Offenheit zu wagen. Mit mehr Transparenz sei viel besser zu unterscheiden, "was gerechtfertigt ist und was überzogen, was Leistung ist und was Nichtleistung". Zum angeblichen "Schweigepakt" der Vorstände von Unternehmen im Deutschen Aktienindex (DAX) sagte der Altana-Chef - dessen Konzern ebenfalls im DAX ist - er sei nicht sicher, ob es einen solchen gebe. "Sollte es ihn aber geben, hielte ich das für fatal. Damit geben wir dem Gesetzgeber eine Steilvorlage."

Internationale Standards

Der 60-jährige Manager glaubt im Übrigen nicht an die Begründung einiger Unternehmen für die Nicht-Veröffentlichung ihrer Bezüge. „Von wegen Neid unter den Vorständen oder drohender Gleichmacherei - bei uns kann ich weder Neid noch Gleichmacherei feststellen." Altana gehört zu den wenigen deutschen Konzernen, die die Gehälter ihrer Vorstände veröffentlichen. Schweickart sagte, damit passe sich sein Unternehmen internationalen Regeln und Standards an.

Diese Anpassung forderte Bundespräsident Köhler in der "Bild am Sonntag". "Man könnte dabei mit den Unternehmen im DAX beginnen." Natürlich werde es immer Ungleichheiten in den Einkommen geben. "Aber von Vorbildern erwarte ich, dass sie Maß und Mitte kennen", betonte er.

DaimlerChrysler-Betriebsrat Klemm gegen Veröffentlichung

Unterdessen sprach sich DaimlerChrysler-Betriebsratschef Klemm gegen eine gesetzliche Begrenzung der Manager-Gehälter aus. Klemm sagte der "Berliner Zeitung": "Ich weiß gar nicht wie das gehen soll. Wir wollen keine gesetzlich festgelegten Löhne und Gehälter. Das gilt auch fürs Management." Der Arbeitnehmervertreter findet es zudem ausreichend, wenn Unternehmen die Gesamtsumme und Struktur der Vorstandsgehälter veröffentlichen. "Wenn jedes einzelne Gehalt ausgewiesen wird, führt das dazu, dass letztlich alle das Gleiche bekommen werden. Das widerspräche dem Leistungsprinzip."

Bahn und HfW wollen offen legen

Mehr Transparenz wagen dagegen künftig die Deutsche Bahn und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Sie werden die Bezüge ihrer Top-Manager mit dem Geschäftsbericht 2004 offen legen. Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte dem "Tagesspiegel", der Minister bestehe darauf, dass sich alle wichtigen Unternehmen mit Bundesbeteiligung an die freiwilligen Transparenzvorschläge der Wirtschaft halten.

Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer sagte im Deutschlandfunk, sollte es mit der Veröffentlichung der Bezüge weiterhin nicht klappen, müsse der Gesetzgeber "eine Veröffentlichungspflicht für diese Gehälter vorschreiben".

AP / AP / DPA