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Halb Laptop, halb Tablet Irre Geheimniskrämerei wie bei Apple: So tarnte Microsoft sein Surface Book


Mit dem Surface Book gelang Microsoft die Technik-Sensation des Jahres - vor allem, weil niemand vorab von dem Gerät wusste. Die Geheimniskrämerei erreichte dabei Ausmaße, die man sonst nur von Apple kennt.

Microsoft war in der Technik-Szene nicht gerade der Inbegriff von Coolheit. Mit Windows 8 landete man einen formidablen Flop, die Windows Phones rangieren hierzulande unter der Wahrnehmungsschwelle und die Bürosoftware Office ist vieles, aber ganz sicher nicht sexy. Umso lauter war der Paukenschlag, mit dem sich Microsoft Anfang Oktober zurückmeldete: In New York zeigte der Konzern sein "one more thing", das neue Surface Book. Der Clou des Geräts ist der abnehmbare Bildschirm, der sich auch als Tablet nutzen lässt - so spielt Microsoft alle Stärken seines neuen Betriebssystems Windows 10 aus.

Niemand wusste vom Surface Book

Auch wenn erste Tests zeigen, dass der neue Laptop nicht ganz so viel Dampf unter Haube hat wie von Microsoft versprochen, verdeutlicht das Gerät eindrucksvoll die Vision des mobilen Arbeitens. Will man einen langen Text schreiben, kann das Tablet einfach über ein skorpionartiges Scharnier an die Tastatur angestöpselt werden. Je nach Ausstattung steckt in der Basis ein zusätzlicher Grafikchip, der nochmal mehr Rechenpower bietet.

Doch die eigentliche Sensation war, dass niemand mit dem Surface Book gerechnet hatte. Bis zur Präsentation konnte Microsoft sein Schmuckstück geheimhalten. In Zeiten, in denen Bilder vom neuen iPhone bereits Monate vor dem Verkaufsstart im Netz kursieren, ist das bemerkenswert. Wie konnte das gelingen? Der "Wired"-Autor David Pierce beleuchtet in einer lesenswerten Reportage, wie das Surface Book hinter den Kulissen entwickelt wurde - und wie Microsoft neugierige Partner ablenkte.

Microsofts Geheimniskrämerei

Microsoft arbeitete knapp zweieinhalb Jahre am Surface Book. Unzählige Prototypen waren nötig, bis der abnehmbare Bildschirm zufriedenstellend realisiert wurde. Anderthalb Jahre lang bekam niemand außerhalb des Ingenieur-Teams das Gerät zu Gesicht. Vor knapp neun Monaten zeigte Panos Panay, Erfinder des Surface-Tablets, das Surface Book erstmals der versammelten Microsoft-Führungsriege. Microsoft-Chef Satya Nadella zeigte sich begeistert von der Tastatur und dem Bildschirm. Doch als Panay den Bildschirm einfach abklemmte und als Tablet weiternutzte, flippten alle im Raum aus, erklärte er gegenüber "Wired". "Es fühlte sich wie ein magischer Trick an."

Damit das so bleibt, wurden strengste Regeln vereinbart. Gegenüber Außenstehenden bezeichnete man das Gerät stets als Laptop. Niemals wurde hervorgehoben, dass sich der Bildschirm abnehmen lässt. Selbst enge Partner und Vertreter von Handelsketten wurden getäuscht: "Egal wem ich es zeigte, niemand bekam es oben ohne zu sehen", so Panay. Um sicherzugehen, dass sich der Bildschirm nicht versehentlich löst, hat sein Team bei dem Vorführgerät schließlich die Funktion blockiert und die Entsperrtaste schlicht ausgebaut.

Vorbestellung des Surface Book erfolgreich

Der Aufwand hat sich gelohnt: Mit dem Surface Book konnte Microsoft sein Image als Innovator aufpolieren. Und auch wirtschaftlich scheint sich die Geheimniskrämerei auszuzahlen: Offenbar wurde das Gerät öfter vorbestellt, als Microsoft erwartet hatte. "Wir können die Laptops gar nicht so schnell produzieren, wie sie verkauft werden", erklärte Microsofts Hardware-Chef Panay verblüfft gegenüber "Windows Central". Genaue Zahlen nannte er jedoch nicht.

Wann das Gerät in Deutschland erhältlich sein wird und was es kosten soll, steht bislang noch nicht fest.


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