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Meinung

Gesetzesentwurf in Italien: Drei Tage bezahlter Urlaub bei Regelschmerzen – warum denn nicht?

Manche Frauen spüren kaum, dass sie ihre Tage haben, manche leiden unter starker Migräne oder unter Bauch- und Rückenschmerzen. Und das jeden Monat. In Italien soll ein Gesetz ihnen das Leben erleichtern.

Frau krümmt sich mit Bauchschmerzen

Nicht jede Frau ist von Beschwerden betroffen, manche aber leiden jeden Monat. In Italien soll ein Gesetz den sogenannten Menstruationsurlaub ermöglichen, damit sie in dieser Zeit von der Arbeit befreit sind.

Wahrscheinlich kennen es fast alle Frauen, nur manche trifft es nicht so oft: Auf das Prämenstruale Syndrom (PMS), das sich oft mit Unterleibsschmerzen, Depressionen oder gereizter Stimmung zeigt, folgen die Tage der Regelblutung, von denen die ersten ebenfalls häufig mit körperlichen Beschwerden verbunden sind. Und gegen diese regelmäßigen Begleiterscheinungen der Menstruation hilft eigentlich nur eins: Ruhe, Entspannung und eine Wärmflasche für den Bauch. Wenn das nicht ausreicht, bleiben nur noch Schmerzmittel.

Da die Symptome bei den stark Betroffenen fast jeden Monat auftauchen, quälen sich die Frauen meist trotz Schmerzen zur Arbeit. Erstens braucht der Zustand keine Diagnose vom Arzt, sodass Frauen davor zurückscheuen, sich allmonatlich krankschreiben zu lassen. Zweitens existiert noch immer eine gewisse Scham, wenn "das schwächere Geschlecht" unter einem eigentlich ganz natürlichen Zustand leidet.

Menstruationsurlaub – in Indien ein alter Hut

Um Frauen aus diesem Dilemma zu befreien, liegt nun in Italien ein Gesetzesentwurf vor, der ein umkompliziertes Zuhausebleiben ermöglichen soll: der sogenannte Menstruationsurlaub. Was in Indien bereits seit 1947 für arbeitende Frauen gesetzlich geregelt ist und seit 1948 in Indonesien, könnte nun also Einzug nach Europa halten. Drei Tage pro Monat sieht der Entwurf für die Auszeit vor, einen durchaus realistischen Zeitraum für die schlimmsten Tage.

Bereits 2014 hatte der britische Professor Gedis Grudzinskas ein solches Gesetz für Frauen gefordert und damit kontroverse Diskussionen ausgelöst. Nicht nur Männer witzelten, dass sie aus Gründen der Gleichberechtigung ebenfalls Sonderurlaub "für das Tragen des Hodensacks" fordern, auch Frauen sahen darin einen Karrierekiller, der dazu führen könnte, dass Frauen seltener eingestellt werden. Schließlich könnte das Gesetz dafür sorgen, dass ihnen mit 36 Extratagen mehr als doppelt so viel "Jahresurlaub" zusteht wie Männern. Und reißt das Sonderrecht erstmal ein, wo soll es dann enden? Dürften Frauen in den Wechseljahren dann zukünftig bis zu sechs Jahre lang bezahlten Urlaub nehmen, weil sie unter Hitzeschüben und Stimmungsschwankungen leiden?

Unbegründeter Neid

Stein des Anstoßes besteht wahrscheinlich bereits in der Wortwahl: Menstruationsurlaub. Das suggeriert, dass es sich dabei um einen Gewinn wertvoller Freizeit handelt, die das "bevorzugte Geschlecht" gut gelaunt mit dem Kauf von Schuhen verbringt. Doch wer das glaubt, hatte nie mit Menstruationsbeschwerden zu kämpfen.

Die Realität hingegen sieht vielmehr so aus, dass Frauen, die, wie inzwischen in diversen Ländern Asiens, einen gesetzlichen Anspruch darauf haben, zu Hause zu bleiben und diesen kaum geltend machen. Zu groß ist immer noch die Scham, mit dem klassischen Frauenleiden im beruflichen Umfeld hausieren zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Berufstätige in einem solchen Gesetz einen Freifahrtschein für Sonderurlaub sehen und das Gesetz missbrauchen, bleibt also gering. Warum sollten es sich hochindustrialisierte Länder nicht leisten, humaner mit betroffenen Menschen umzugehen?

Ganz nebenbei ließe sich so auch das sogenannte gender gap, also die Tatsache, dass Frauen trotz gleicher Ausbildung weniger verdienen als Männer in demselben Beruf, sehr schön ausgleichen.


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