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Motivation: Unternehmen fördern trotz Krise Mitarbeiter

Restrukturierungen, Übernahmen, Stellenabbau: Rund 80 Prozent der deutschen Unternehmen nahmen 2003 strukturelle Veränderungen vor. Was aber tun Firmen, um ihre Mitarbeiter in der Krise zu motivieren?

Wie gehen deutsche Firmen in Krisenzeiten mit ihren Mitarbeitern um? Dieser Frage ging die SKP Managementberatung AG in einer Umfrage nach: Über 200 mittelständische und große Unternehmen wurden von der AG interviewt. Ergebnis der Erhebung: Acht von zehn Arbeitgebern führten 2003 strukturelle Veränderungen durch. Knapp ein Drittel der Unternehmen setzte während des Change-Prozesses strategische Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung ein.

"Die meisten Personalverantwortlichen in Deutschland arbeiten sehr professionell", bewertet Uwe Kern, Vorstandsvorsitzender der Managementberatung, die Ergebnisse der Umfrage. Allerdings vernachlässigen noch 28 Prozent der befragten Firmen die Mitarbeiterbindung. Kern: "Das kann teuer werden. Change-Prozesse stellen Unternehmenswerte auf den Kopf. Das führt häufig dazu, dass die Beschäftigten sich desorientiert fühlen und mittel- bis langfristig weniger leisten."

Aufstiegschancen - die richtige Strategie

Welche Instrumente setzen die Human Ressource-Abteilungen jedoch ein, um während der Veränderungen die Belegschaft zu motivieren und ihre Identifikation zu erhalten? Am häufigsten sind Prämien- und Vergütungssysteme (26 Prozent). Kern betont allerdings: "Es ist fraglich, ob diese Maßnahmen langfristig wirken. Schließlich zahlen auch andere Arbeitgeber gutes Geld. Bessere Erfolge erzielt man, wenn Mitarbeiter die Möglichkeit haben, die Firma mitzugestalten. Dann ist die Identifikation viel stärker, weil Unternehmenserfolge auch gleichzeitig persönliche Erfolge sind." Weitere 22 Prozent der befragten Personaler vertrauten während des Veränderungsprozesses den Mitarbeitern verantwortungsvollere Aufgaben an, neun Prozent lockten mit Aufstiegschancen. "Das ist genau die richtige Strategie", so Kern. "Je mehr Verantwortung jeder einzelne übernimmt, desto mehr fühlt er sich für das Unternehmen verantwortlich. Und desto zufriedener ist er."

Wie sieht es mit den Mitarbeitern aus, deren Leistung nicht zufriedenstellend ist? Welche Politik verfolgen hier die Personal-Abteilungen? Die Umfrage fand heraus: 13 Prozent der Firmen fördern leistungsschwache Beschäftigte nicht, 80 Prozent aber halten für sie besondere Maßnahmen bereit. Zwei Drittel der Unternehmen haben dafür Seminare und Workshops im Angebot. Für Kern ist das nicht immer das Richtige: "Gerade bei strukturellen Veränderungen hängt die Qualität der Arbeit direkt mit der Motivation zusammen. Meistens sinkt die Leistungsbereitschaft nicht wegen fachlicher Defizite, sondern aus fehlender Identifikation und Desorientierung." Wirksamer wäre es laut SKP-Chef, "die beruflichen Perspektiven und Wünsche des Betroffenen zu analysieren, um seine Persönlichkeit zu fördern und seine Potenziale optimal einzusetzen". Der Personal-Profi rät: "Zu den geeigneten Maßnahmen gehören Coaching und Career Check."

Gehälter an Leistungen anpassen

Fast 90 Prozent der Unternehmen gaben bei der Befragung an, dass sie "Leistungsträger" beruflich fördern. Davon bieten 84 Prozent Seminare und Workshops an. Kern plädiert jedoch für Instrumente, die nicht nur fachlich, sondern auch die Persönlichkeit weiter entwickeln: "Bei den Leistungsträgern gilt es vor allem, die Führungsqualität zu unterstützen." Das erzielen vier Prozent der HR-Profis durch Management Audit, Career Check oder Standortanalyse.

"Viele Personalabteilungen setzen bereits Mitarbeiter-Beurteilungs-Systeme ein, die Leistungsdefizite und Potenziale erkennen", betont Kern. Er ist sicher, dass im Jahr 2004 die Arbeitgeber diese konsequenter einsetzen werden. Das heißt in der Praxis, dass Firmen die Gehälter an die Leistung anpassen werden: "Mit den Beurteilungs-Systemen legen die Unternehmen den Grundstein für den optimalen Einsatz der Mitarbeiterpotenziale. Dafür passen sie die Gehälter an die Leistungen jedes einzelnen an - nach dem Grundsatz: Fordern und fördern."

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