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Nebenjobs: Knochenjob Weihnachtsmann

Bis zu 80 Euro verdient ein Weihnachtsmann pro Stunde - und muss einiges ertragen. Der kratzende weiße Bart ist wenigstens ungefährlich. Im Gegensatz zu Jugendlichen, die oft wenig Respekt vor dem Mann mit rotem Mantel haben - zumal der heute meist ohne Rute erscheint.

Es ist ein Knochenjob: Schwitzen in einem gefütterten Filzkostüm, äußerste Vorsicht mit dem Bart, Gedichte auswendig lernen und immer wieder "Hohoho" gehören zu den Aufgaben eines professionellen Weihnachtsmannes. Einer von ihnen ist Stefan Schuppener (32). Der Mainzer Student bessert in der Weihnachtszeit seine Haushaltskasse auf.

O-Saft nur durch den Strohhalm

Bei einem Stundenlohn bis zu 80 Euro "könnte ruhig öfter Weihnachten sein", meint Schuppener, der auf den ersten Blick eher wenig Ähnlichkeit mit dem Weihnachtsmann hat. Doch da könne man ganz einfach nachhelfen, erklärt der angehende Lehrer. So stopfe er seinen roten Mantel mit Watte aus, denn "die Leute erwarten einen Weihnachtsmann, der etwas kräftiger ist". Extra dafür "noch mehr Bauchspeck anfressen" wolle er allerdings nicht. Auch der weiße Bart ist natürlich nur angeklebt und damit der nicht schmutzig wird, beispielsweise beim Orangensaft-Trinken, benutzt Schuppener einen Strohhalm.

Außerdem hat er spezielle Weihnachtsmann-Stiefel, eine Weihnachtsmann-Hose mit passendem Gürtel, eine rote Mütze, ein dickes Buch und einen Sack. Eine Rute gebe es bei ihm nicht, erzählt Schuppener, das sei eine "veraltete pädagogische Maßnahme". So wird er dann auch von den meisten Kindern begeistert erwartet, nur wenige haben Angst vor ihm und klammern sich an Mamas Bein.

Manche haben eine Wunschliste für ihn verfasst, ein Bild gemalt oder können ein Gedicht aufsagen; überhaupt fühle er sich trotz aller Aufregung bei kleineren Kindern sehr wohl. "Das Schönste an meiner Arbeit ist das Strahlen in den Augen der Kinder", findet der studentische Weihnachtsmann, der selbst Vater eines vierjährigen Sohnes ist. Dieser hat ihn bei einem Auftritt im Kindergarten sofort erkannt, erzählt Schuppener mit einem Lächeln.

Bei einer Keilerei bracht er sich den Finger

Ansonsten sei er im Auftrag der studentischen Jobvermittlung der Universität Mainz etwa auf einer Weihnachtsfeier des Turnvereins, bei Familien privat zu Hause oder sogar auf einer Firmen-Weihnachtsfeier, deren erwachsene Gäste nicht wie üblich mit Schokolade und Mandarinen, sondern mit Likör beschenkt wurden.

Ein traumatisches Weihnachtsmann-Erlebnis hatte Schuppener während eines Engagements am Wiesbadener Hauptbahnhof, wo er von zwei Jugendlichen angerempelt, provoziert und schließlich sogar körperlich angegriffen wurde. "Die haben mich einfach nicht ernst genommen", erinnert er sich. Bei seinen Versuchen, sich gegen die Angreifer zu wehren, brach der Weihnachtsmann sich sogar einen Finger. Die Passanten blieben ungläubig stehen, sahen der Prügelei aus der Ferne zu, griffen allerdings nicht ein.

Geschäftsidee für März und April

Bei seiner Arbeit in der Adventszeit werde er natürlich immer wieder mit der schwierigen Frage konfrontiert, ob er tatsächlich ein echter Weihnachtsmann sei. "Natürlich, ich bin genauso echt wie all die anderen Weihnachtsmänner", ist dann Schuppeners Antwort. Und was macht ein Weihnachtsmann, wenn Weihnachten vorbei ist? Er hilft bei Umzügen, Renovierungen, Gartenarbeit und verkauft orientalische Wasserpfeifen sowie PC-Zubehör im Internet. Er verschickt Taucherflossen nach Japan und Adidas-Taschen nach Paris. Für März und April hat Schuppener bereits ein neue Geschäftsidee: Er will nun auch Osterhase werden.

Sarah Klein/DPA / DPA
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