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Schlechte Manager: Setzt die irren Führungskräfte auf die Schulbank!

Karriereberater Martin Wehrle hat Hunderte Geschichten über den Wahnwitz im deutschen Arbeitsalltag zusammengetragen. Als Konsequenz fordert der Coach einen "Führerschein für Führungskräfte".

In deutschen Betrieben herrschen haarsträubende Zustände: Die eine Firma verheimlicht ihren Mitarbeitern eine Bombendrohung; die andere betreibt eine ganz besondere Form der Geburtenkontrolle und finanziert ihren weiblichen Angestellten die Antibabypille. Bestsellerautor Martin Wehrle blickt in seinem neuen Buch "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus" in die dunklen Ecken der deutschen Büros und Werkshallen. Beschäftigte vertrauten ihm an, was sie nicht laut sagen können. "Man merkt, wie der tägliche Arbeitswahn, die Mischung aus Zynismus und Dilettantismus der Chefs, an der Psyche der Beschäftigten nagt", sagt Wehrle. Fast jeder Vierte in Deutschland hat laut der jüngsten Gallup-Studie innerlich gekündigt – die höchste Quote aller Zeiten. Deswegen fordert Martin Wehrle jetzt in einem offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler einen Führerschein für Führungskräfte.

"Flensburg für Führungskräfte"

Sehr geehrter Herr Minister Rösler,

bitte erlauben Sie mir, Sie auf ein Katastrophengebiet aufmerksam zu machen, das vor unserer Haustür liegt: die deutschen Führungsetagen. Immer mehr Mitarbeiter werden dilettantisch oder unmenschlich geführt. In sieben von zehn Mobbing-Fällen hat ein Vorgesetzter seine Finger im Spiel. Und die Zahl der Ausfalltage aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Ein Instrument könnte diesen Wahnsinn stoppen: der Führerschein für Führungskräfte. Wer in Deutschland ein Auto führen will, dem schreibt der Staat einen Führerschein vor – damit er niemanden gefährdet. Und wenn er Unfälle baut, bekommt er Punkte in Flensburg. Und verliert seinen Führerschein. Zum Schutz der Allgemeinheit. Warum lässt der Staat es zu, dass jemand, der 100 Mitarbeiter führen will, nur 100 Mitarbeiter braucht, aber keinen Qualifikationsnachweis? Warum darf eine Führungskraft Totalschäden unter ihren Mitarbeitern anrichten, ohne dass ihr die Führungsberechtigung entzogen wird? Wer schützt die Mitarbeiter in Deutschland?

Der Führerschein für Führungskräfte, eine solide Qualifikation in Theorie und Praxis, könnte dafür sorgen, dass bei uns bewusster, professioneller und menschlicher geführt wird. Erst recht, wenn wir ein "Flensburg für Führungskräfte" einführen, um dort jene Chefs anzuzählen, die Schindluder mit ihren Mitarbeitern treiben, etwa Selbstmorde und Burnouts verursachen. Ihnen muss der Führerschein entzogen werden. Im Namen von Millionen Arbeitnehmern fordere ich Sie auf: Stoppen Sie den Führungs-Irrsinn – mit dem Führerschein für Führungskräfte!

Mit freundlichen Grüßen Martin Wehrle

Zum Autor:

Martin Wehrles Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" (Econ, 2011) hat sich über 70 Wochen in den Bestseller-Listen gehalten. Die Resonanz war riesig: Bis heute hat er mehr als 2000 Zuschriften von Mitarbeitern bekommen, die den ganz normalen Irrsinn in ihren Firmen beschreiben. Sein neues Buch "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus" erscheint am 28. September im Econ-Verlag.

Die Höhepunkte des Wahnsinns mit den spektakulärsten Fällen präsentiert Wehrle in der aktuellen stern-Titelgeschichte "Irrsinn Büro".