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Selbstständigkeit: Gründen lernen

In einer Forschungsreihe wurde untersucht, ob der Austausch von Wissen unter Existenzgründern einen Mentalitätswechsel herbeiführen kann. Das Ergebnis macht Hoffnung.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung, das Forum Berufsbildung e.V. und die Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung erforschten in einer Langzeitstudie ein neues "Gründergruppen Lernkonzept". In der Forschungsreihe wurde untersucht, ob der Austausch von Wissen unter Existenzgründern einen Mentalitätswechsel herbeiführen kann.

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen will, muss erst ein Mentalitätsproblem überwinden. Jochen Struck, Forschungsdirektor der Deutschen Ausgleichsbank (DtA), vertritt die Ansicht: "Die Leute haben Angst vor der Selbstständigkeit und es mangelt an Qualifikation. An deutschen Schulen und Hochschulen ist unternehmerische Selbstständigkeit kein Thema."

Die Ablehnungsquote potentieller Geldgeber liegt derzeit bei fast einhundert Prozent (99 Prozent) - trotz eines Kapitalüberhangs der Risikokapitalgeber von fast 15 Milliarden Euro. Der Grund: Das Management überzeugt nicht oder die Unternehmenskonzepte sind nicht realistisch. Und hier will das neue Lernkonzept "Real gründen und dabei unternehmerisch denken und handeln" ansetzen. Das Konzept sieht vor, die Unternehmerpersönlichkeit nicht in einer künstlich gestalteten Lernsituation zu schulen, sondern in der Auseinandersetzung mit realen Gründungsaufgaben. Im Mittelpunkt soll die konkrete und selbst gesteuerte Arbeit am Gründungsvorhaben stehen. Und der so genannte Lernbegleiter prüft als persönliche Vertrauensperson des Gründers ständig die persönliche und fachliche Seite des Vorhabens.

Die Gruppe als Katalysator

In einem Zeitraum von zehn Monaten treffen sich die angehenden Gründer mit erfahrenen Beratern zu Gruppengesprächen. In der Gruppe mit maximal zehn Teilnehmern soll das Gründungsvorhaben vorgestellt und diskutiert werden. In dieser Phase bekommen die meisten Kandidaten Zweifel an ihren Gründungsideen. Die Studie zeigt, dass Krisen dazu gehören, wenn am Ende eine tragfähige Unternehmensidee stehen soll. Und die Gruppenarbeit soll dazu dienen, mit dem Lernberater und den Teilnehmern den fertigen Gründungsplan offen zu diskutieren und in Frage zu stellen. Am Ende kann der Gründer sich entscheiden, wie er den eingeschlagenen Weg weitergehen möchte.

Der reale Existenzgründungsprozess ist gleichzeitig der Lernprozess. Die selbst gesteuerte Arbeit am Gründungsvorhaben - das Aufstellen des Businessplans, die Standortsuche oder Gespräche mit Banken - werden vom Lernbegleiter ständig überprüft und kommentiert. Und die Gruppenarbeit bietet den Teilnehmern die Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und Erfahrungen auszutauschen.