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Neue Stellungnahme Vitamin D – welche Personen von einer Einnahme profitieren könnten

Vitamin D und Corona: eine Frau hält eine Vitamin D-Tablette in der Hand
Vitamin D gibt es in den verschiedensten Dosierungen in Apotheken und Drogerien zu kaufen
© Helin Loik-Tomson / Getty Images
Senkt Vitamin D das Risiko für schwere Corona-Verläufe? Noch ist diese Frage nicht geklärt. Für bestimmte Personengruppen kann die Einnahme dennoch sinnvoll sein, sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Kaum ein anderes Vitamin hat in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit erfahren wie das "Sonnenvitamin D". Es soll zahlreichen Krankheiten vorbeugen oder gegen sie helfen – Belege für die angeblich vielfältigen Wirkungen gibt es allerdings kaum. Auch die Corona-Pandemie rückte Vitamin D abermals ins Licht: als vermeintlichen Schutz vor schweren Corona-Verläufen oder Infektionen. Was ist dran?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in der vergangenen Woche eine Stellungnahme zu dem Thema veröffentlicht. Eine generelle Empfehlung für Vitamin D ist demnach auf Basis der aktuellen Studienlage "nicht begründbar". Das BfR warnt zudem vor möglichen Gesundheitsrisiken, wenn Vitamin D hochdosiert und ohne ärztlichen Rat eingenommen wird. Für bestimmte Personen kann die Einnahme demnach aber sinnvoll sein. Es handelt sich dabei um Bevölkerungsgruppen, die ohnehin meist nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt sind. 

Risikogruppen für Vitamin-D-Mangel

Das BfR verweist in der Stellungnahme unter anderem auf Bewohnerinnen und Bewohner von Pflege- und Altenheimen. Für sie sei eine "generelle Vitamin D-Einnahme" von bis zu 20 Mikrogramm pro Tag "zu erwägen". 20 Mikrogramm entsprechen umgerechnet 800 I.E. (internationale Einheiten). Liegt ein Mangel vor, können unter ärztlicher Aufsicht demnach auch höhere Dosen gegeben werden.

Ältere Menschen sind meist schlechter als die übrige Bevölkerung mit Vitamin D versorgt. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen nimmt die körpereigene Bildung von Vitamin D mit dem Alter ab. Zum anderen sind ältere Menschen oft nicht mehr so mobil – das gilt insbesondere für pflegebedürftige, bewegungseingeschränkte oder chronisch kranke Menschen. Sie halten sich meist weniger im Freien auf und kommen seltener mit Sonnenlicht in Kontakt, das für die körpereigene Synthese von Vitamin D essenziell ist.

Auch Menschen, die aus religiösen oder kulturellen Gründen große Teile ihres Körpers mit Stoff bedecken, entwickeln häufiger einen Vitamin-D-Mangel. Gleiches gilt für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Das Hautpigment Melanin schränkt bei ihnen die Vitamin-D-Synthese im Vergleich zu Menschen mit heller Hautfarbe ein. Sie alle zählt das BfR zu den Risikogruppen für einen Vitamin-D-Mangel. Das bedeutet: Auch für sie können Nahrungsergänzungsmittel in einer Dosierung von 800 I.E. "sinnvoll" sein.

Die genannten Personengruppen zählt das BfR bereits seit mehreren Jahren zu den Risikogruppen. In einer früheren Publikation hieß es allerdings, dass Vitamin-D-Präparate nur dann eingenommen werden sollten, wenn die körpereigene Bildung oder die Zufuhr über die Ernährung keine ausreichende Versorgung gewährleisten können. Die neue Stellungnahme lockert diese Vorgabe auf. 

Vitamin D und Covid-19

Der Körper braucht Vitamin D für Muskeln, Knochen und das Immunsystem. Laut BfR gibt es Hinweise darauf, dass Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel ein erhöhtes Risiko für akute Atemwegsinfektionen haben. Zu diesen Infekten zähle auch Covid-19. Die Datenlage zu Corona sei aber "noch unsicher". 

"Bislang konnte insbesondere nicht gezeigt werden, dass gut mit Vitamin D versorgte Personen von einer zusätzlichen Vitamin-D-Gabe profitieren", heißt es in der Stellungnahme. Eine generelle Empfehlung zur Einnahme von Vitamin-D-Präparaten sei daher "derzeit nicht begründbar" – das gelte sowohl für das Vorbeugen einer Infektion sowie das eines schweren Verlaufs.

Auf der anderen Seite stehen mögliche Risiken, die von einer unbedachten und hochdosierten Vitamin-D-Einnahme ausgehen. Nierensteine, Nierenverkalkung bis hin zu Nierenversagen können die Folge sein. Menschen, die nicht zu den Risikogruppen zählen, aber vermuten, dass sie nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt sind, sollten zunächst das Gespräch mit dem Hausarzt suchen. Dieser prüft, ob tatsächlich eine unzureichende Versorgung vorliegt und verschreibt bei Bedarf spezielle medizinische Präparate. 

Wer dagegen ohne ärztliche Beratung auf Vitamin D zurückgreifen möchte, sollte auf die genaue Dosierung der Nahrungsergänzungsmittel achten. Auch hier gilt: Die zugeführte Tagesdosis sollte 800 I.E. nicht übersteigen. "Bei dieser Menge sind gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht zu erwarten", schreibt das BfR.

Vitamin D in der Ernährung

Neben Sonnenlicht spielt auch die Ernährung eine Rolle für den Vitamin-D-Spiegel. Fetter Seefisch wie Hering oder Lachs enthält unter anderem größere Mengen des Vitamins. Er sollte ein bis zwei Mal in der Woche auf dem Speiseplan stehen. Auch in Innereien (Leber) oder Eigelb steckt Vitamin D. Der Bedarf lässt sich über die Ernährung allein jedoch nicht decken.

Arzt verabreicht einem Patienten eine Impfung

In den vergangenen Monaten wurde oft über einen möglichen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel und einem schweren Corona-Verlauf berichtet. Im Blut schwer Erkrankter waren demnach häufig niedrige Vitamin-D-Spiegel entdeckt worden. "Es ist aber meist unklar, ob die niedrigen Vitamin-D-Serumspiegel bereits vor der Erkrankung vorlagen oder erst durch die Infektion verursacht wurden", so das BfR. 

Ähnlich äußerte sich zuletzt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Februar: "Pauschal kann keine Empfehlung für eine Vitamin-D-Supplementation gegeben werden, um einer Sars-CoV-2-Infektion vorzubeugen oder den Schweregrad einer Covid-19-Erkrankung zu verringern", schreibt die DGE. Die Studienergebnisse reichten demnach nicht aus, um eine "eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung" nachzuweisen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Vitamin D, das Immunsystem und Covid-19

ikr

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