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Studie: Mieses Gründungsklima

Die Stimmung in der deutschen Gründerlandschaft ist schlecht. Außerdem gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Untersuchung der Uni Köln.

Die Stimmung in der deutschen Gründerlandschaft ist im Vergleich mit anderen Industriestaaten auffallend schlecht. Zusätzlich gibt es in unserem Land ein starkes Ost-West-Gefälle. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialgeographischen Instituts der Uni Köln.

Mäßige Perspektive im Osten

Der Studie zufolge hat Ostdeutschland eine deutlich geringere Gründungsquote als Westdeutschland. Grund dafür ist unter anderem, dass dort weniger Menschen glauben, in den nächsten sechs Monaten gute Gelegenheiten für eine Unternehmensgründung zu haben.

Die Beurteilung von Gründungschancen nach Bundesländern bestätigt diese Annahme: Das Saarland liegt, gefolgt von Hamburg und Schleswig Holstein an der Spitze. Die ostdeutschen Länder belegen allesamt die letzten Plätze.

Versagensangst in Deutschland

Generell fehlt den Deutschen ein wenig der Mut zum Weg in die Selbstständigkeit. Es geht die Angst vorm Scheitern um.

Mehr als 50 Prozent ziehen deshalb die Gründung eines Unternehmens gar nicht erst in Betracht. Im übrigen Europa liegt dieser Prozentsatz bei 35, in Amerika bei gerade mal 20.

Zu viele Notgründer

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Zahl der »Notgründer« in Deutschland überproportional hoch ist. Auf einen Unternehmer, der eine Firma wegen fehlender Erwerbsalternativen gründet, kommen 2,6 Personen, die eine Geschäftsidee ausnutzen wollen. In Westeuropa liegt diese Quote bei 1:5,3. In Amerika sind es 1:8,3.

Auch zwischen den Geschlechtern ergaben sich gravierende Unterschiede. Mehr als doppelt so viele Männer als Frauen wagen in unserer Republik den Schritt in die Selbstständigkeit. Das weibliche Gründerpotential ist damit bei weitem nicht ausgeschöpft.

Gute Infrastruktur

Aber die deutsche Gründerwelt hat auch positive Seiten. Finanzbedingungen und physische Infrastruktur kamen in der Studie besser weg. Im Vergleich mit anderen Industriestaaten erhielt die öffentliche Förderung in Deutschland eine gute Bewertung. Aus- und Weiterbildungsaktivitäten schneiden dagegen deutlich schlechter ab.

Spitzenreiter sind wir, was Wirtschaftsgeographen und Gründungsförderungspolitik angeht. Diese Punkte werden als hervorragend bewertet und liegen unter den 26 untersuchten Staaten an erster Stelle.

Fazit

Die Gründungsaktivität in Deutschland kann nach Auffassung der Kölner Wirtschaftsgeographen nur durch Verbesserung der Rahmenbedingungen nachhaltig erhöht werden. Einen positiven Einfluss kann der New-Economy-Boom der vergangenen Jahre haben. Er hat ein positives Unternehmer- und Gründerimage gefestigt.

Dazu hat die Attraktivität der Selbstständigkeit als Alternative zur abhängigen Beschäftigung zugenommen. Die Experten raten, genau diese Effekte zu nutzen, um langfristig ein gründungsfreundliches Klima in Deutschland zu schaffen.

Christian Meyer