Telekommunikation Geißler legt Verdi und Telekom an die Leine


Der CDU-Politiker und einstige Vordenker der Christdemokraten, Heiner Geißler, hat beim Streit zwischen Telekom und ver.di über einen Tarifabschluss als Schlichter moderiert - und einmal mehr quergedacht.

Und so sieht Heiner Geißlers Schlichtervorschlag aus: Für die 55.000 Angestellten der Deutschen Telekom AG soll es ab November dieses Jahres drei Prozent mehr Gehalt geben sowie eine Einmalzahlung von 350 Euro. Die 45.000 Beamten erhalten Einmalzahlungen von 635 bis 735 Euro. Ob der Kompromissvorschlag bei den Tarifparteien mehrheitsfähig ist, wird sich an diesem Dienstag erweisen müssen. Sowohl die Tarifkommission von Verdi wie auch der Telekom-Vorstand werden dann abschließend darüber beraten. Und die Signale stehen gut, dass Geißler mit seinem Vorschlag die Streithähne an die Leine nehmen kann. Telekom-Personalchef Heinz Klinkhammer zeigte sich jedenfalls zuversichtlich.

Dicke Kröte für Ricke

Und doch lässt sich jetzt schon sagen: Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke muss eine dicke Kröte schlucken. Im Tarifpoker sieht er auf den ersten Blick aus wie der klare Verlierer. Für Verdi- Verhandlungsführer Lothar Schröder dagegen, wäre es ein gelungener Einstieg in seine künftige Rolle als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und stellvertretender Vorsitzender des Kontrollgremiums.

Ein Dorn im Auge ist der Telekom vor allem die vorgesehene prozentuale Lohnerhöhung. Klinkhammer hatte in der fünften Tarifrunde Mitte Mai für die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 1000 Euro in bar und in Aktien angeboten. Hintergrund: Die Telekom will die Kosten im Festnetz in den Griff bekommen.

Telekom steht mit dem Rücken zur Wand

In dem Geschäftsfeld stehen die Bonner durch eine scharfe Regulierung und immer härter werdender Konkurrenz mit dem Rücken zur Wand. Dem Unternehmen brechen Marktanteile weg und laufen die Kunden scharenweise davon. Ricke und T-Com-Chef Walter Raizner müssen gegensteuern. Bis Ende 2008 will sich der Bonner Riese von 32.000 Mitarbeitern trennen, und zwar ohne betriebsbedingte Kündigungen. "Produktivität rauf, Kosten runter", umschreibt ein Telekom-Sprecher das anstehende Szenario.

Kräftige Tariferhöhungen passen den Telekom-Managern in dieser Situation überhaupt nicht ins Konzept. Und so wollten sie in den Tarifverhandlungen vor allem eines erreichen: Den tabellenwirksamen Lohn- und Gehaltsanstieg möglichst niedrig halten. Das wird aber mit dem Schlichterspruch nicht erreicht. Aber bittere Pillen sind bei Kompromissvorschlägen immer zu schlucken, und das auf beiden Seiten. Bei Verdi ist es vor allem die Verkürzung der Dauer der Bildschirmpausen auf fünf Minuten. Aber Schröder blickt auf das Gesamtergebnis - und das hält er für verantwortbar.

Peter Lessmann/DPA DPA

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