Trotz Tarifeinigung Metall-Firmen drücken sich um Lohnplus


Herber Rückschlag für viele Arbeitnehmer: Kaum ist der mühsam ausgehandelte Tarifvertrag unter Dach und Fach, wollen einige Großunternehmen die vereinbarten Lohnerhöhungen umgehen. Opel will das ausgehandelte Lohnplus komplett verrechnen, Chiphersteller Infineon ist gleich ganz aus dem Arbeitgeberverband geflüchtet.

Der Tarifabschluss in der Metallindustrie wird bei zehntausenden Beschäftigten laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung gar nicht oder erst mit Verzögerung ankommen. Demnach werden die Beschäftigten im Bochumer Opel-Werk nächstes Jahr nicht mehr Geld erhalten. Das im Tarifvertrag ausgehandelte Lohnplus werde komplett mit den bereits übertariflich gezahlten Löhnen verrechnet, sagte ein Opel-Sprecher der Zeitung.

Den Angaben des Firmenvertreters zufolge sehe das der 2005 vereinbarte Zukunftsvertrag des Unternehmens vor. In den Werken Rüsselsheim und Kaiserslautern werde die Lohnerhöhung für die Beschäftigten einen Prozentpunkt geringer ausfallen als der Tarifvertrag vorsehe.

Zudem berichtet die Zeitung, dass mehrere Firmen die Möglichkeit prüfen, die für Mai 2009 vorgesehene zweite Lohnerhöhung später zu zahlen. Neben Heidelberger Druck wollen demnach mindestens fünf größere Autozulieferer, darunter Continental, mit ihren Betriebsräten entsprechende Gespräche führen.

Bereits am Mittwochabend hatte der Münchener Chiphersteller Infineon seinen Austritt aus dem bayerischen Arbeitgeberverband erklärt. Damit ist das Unternehmen nicht mehr an den Tarifvertrag gebunden und muss die Lohnvereinbarungen nicht übernehmen.

Am Mittwoch hatten Gewerkschaft und Arbeitgeber in letzter Minute einen Arbeitskampf abgewendet. Nach fast 24-stündigem Verhandlungsmarathon im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg einigten sie sich auf zweistufige Einkommenserhöhungen mit einer Gesamtlaufzeit von 18 Monaten. Demnach werden die Löhne und Gehälter der 800.000 Beschäftigten ab Februar zunächst um 2,1 Prozent angehoben und steigen ab Mai um weitere 2,1 Prozent. Für die Monate November, Dezember und Januar wurde eine Einmalzahlung von 510 Euro vereinbart. Im September 2009 soll es nach Angaben der Arbeitgeber eine weitere Zahlung von 122 Euro geben - aus betriebswirtschaftlichen Gründen kann diese aber auch gestrichen werden.

AFP/DPA DPA

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