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Weihnachtsfeier: Feiern in der Flaute

Schlechte Auftragslage, sinkende Umsätze, miese Stimmung in der Belegschaft: Sollen Chefs gerade in schwierigen Zeiten an der traditionellen Weihnachtsfeier festhalten?

Schlechte Auftragslage, sinkende Umsätze: Viele Firmen sparen an allen Ecken und Enden, bauen massiv Personal ab - und die Stimmung in der Belegschaft ist mies. Da kommt so mancher Chef ins Grübeln: "Soll ich in dieser Situation und nach all den unpopulären Entscheidungen eine Weihnachtsfeier für meine Mitarbeiter veranstalten? Oder wäre es vielleicht besser, in diesem Jahr ganz auf das Feiern zu verzichten?"

"Nein, das wäre es nicht", meint Karriereberater und Diplom-Psychologe Albert Blomert vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen Chefs an der traditionellen Weihnachtsfeier festhalten. Allerdings sollte der Kostenrahmen überschaubar bleiben. Die Belegschaft könnte sonst womöglich denken: "Frau Schulte wurde entlassen, aber für eine pompöse Weihnachtssause ist noch genug Geld da."

Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern sind enorm wichtig für das Wir-Gefühl

Um Irritationen zu vermeiden rät Blomert, das Feedback der Mitarbeiter einzuholen, ob sie gemeinsam feiern möchten. "Es macht keinen Sinn, eine Weihnachtsfeier um jeden Preis stattfinden zu lassen. Wenn es dem Unternehmen richtig schlecht geht und der großen Mehrheit nicht nach Feiern zumute ist, sollte man lieber Abstand davon nehmen", so Blomert. Generell gilt aber: Eine Betriebsfeier stärkt den Zusammenhalt der Belegschaft. "Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern sind von großer Bedeutung für die Corporate Identity, also das Wir-Gefühl in einem Unternehmen", sagt Blomert. Insbesondere nach schweren Entscheidungen und Krisen brauchen die verbleibenden Mitarbeiter eine positive Bestätigung von der Unternehmensleitung, um Ängste, Irritationen und Unsicherheit abzubauen.

Auf keinen Fall in den eigenen Firmenräumen feiern

Kostengünstiges Feiern in der Flaute muss zudem nicht schlechter sein als eine ausschweifende Party im Wirtschafts-Boom. Einfallsreichtum ist gefragt. "Über den Erfolg einer Weihnachtsfeier entscheidet nicht der maximale finanzielle Aufwand, sondern eine phantasievolle, sorgfältige Planung. Die Teilnehmer müssen merken, dass sich jemand Gedanken und Mühe gemacht hat", so Blomert. Das kann zum Beispiel durch liebevoll gestaltete Einladungskarten oder eine nette Einlage bei der Feier geschehen. Am falschen Ende spart jedoch, wer die Weihnachtsfeier kostenneutral in den eigenen Firmenräumen veranstaltet. Blomert weiß: "Eine andere Umgebung ist wichtig, damit die Leute lockerer werden. Ansonsten fallen viele rasch wieder in die hergebrachten Rollen des Arbeitsalltags zurück." Deshalb: Lieber Räume beim preiswerten Italiener um die Ecke mieten, als die Belegschaft zum Feiern in den Konferenzraum bitten.

Auch in der Flaute macht die betriebliche Weihnachtsfeier Sinn

Wenn Chefs die Betriebs-Weihnachtsfeier mit einer kurzen Ansprache eröffnen, sollten sie auf die schlechte wirtschaftliche Lage der Firma nur in einem Nebensatz eingehen. Nach dem Motto: "Sie alle wissen um die schwierige Situation unseres Unternehmens. Aber das soll heute nicht unser Thema sein. Feiern Sie und lassen Sie es sich gut gehen." Blomerts Rat: "Lautes Wehklagen über die Krise oder deprimierende Geschäftszahlen gehören auf eine Betriebsversammlung, aber nicht auf die Weihnachtsfeier." Und noch etwas sollten Chefs unbedingt beachten: "Schalten Sie ab, zeigen Sie sich von Ihrer menschlichen Seite und schenken Sie den Mitarbeitern Ihre volle Aufmerksamkeit. Sie sollten zwar nicht unbedingt bis zum Schluss der Weihnachtsfeier dableiben, aber gehen Sie nicht schon nach der Eröffnung des Büfetts." Fazit: Auch in der Flaute macht die betriebliche Weihnachtsfeier Sinn - wenn Chefs die nötige Sensibilität an den Tag legen. Dann wird das Jahresritual trotz Krise für alle Beteiligten ein Gewinn und kann ein guter Start ins neue Geschäftsjahr sein.

Quelle: Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader

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