Karstadt & Kaufhof Jubiläum in stürmischer Zeit


Kaufhof beendete die Praxis des Feilschens und Ankreidens, denn Festpreise, Barzahlung, Warenumtausch - alles was seit langem Standard im deutschen Einzelhandel ist, war vor 125 Jahren eine außergewöhnliche Geschäftsidee.

Der 30-jährige Leonhard Tietz eröffnete am 14. August 1879 in der Hansestadt Stralsund einen Textilladen und legte so den Grundstein für das Warenhausunternehmen Kaufhof. Die Praxis des Feilschens und Ankreidens ersetzte er durch Festpreise und Barzahlung. Dies machte genauere Kalkulationen und günstigere Verkaufspreise möglich. Ein Geschäftsmodell, mit dem auch Rudolph Karstadt knapp zwei Jahre später in der Hansestadt Wismar an den Start ging und dort ebenfalls einen Handelsriesen begründete. Die Warenhäuser stehen heute durch die Konsumflaute unter Druck.

Karstadt hat größere Probleme

Die Kaufzurückhaltung der deutschen Verbraucher und ausbleibende Touristen, die vom starken Euro abgeschreckt werden, machen vor allem den innerstädtischen Großflächenanbietern zu schaffen. Mit 180 Warenhäusern besitzt das Essener Unternehmen Karstadt nicht nur das größere Filialnetz, sondern muss derzeit auch mit erheblich größeren Problemen als der Kaufhof kämpfen. Bei Karstadt steht der Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen, damit jede zehnte Stelle, bis 2006 im Raum. Dazu laufen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Karstadt dementiert aber, dass es ein Filialschließungsprogramm gebe. Im Geschäftsfeld stationärer Einzelhandel, zu dem Warenhäuser gehören, schreibt KarstadtQuelle rote Zahlen. Von 180 Warenhäusern machen bekanntlich 26 und damit jedes siebente Haus keinen Gewinn.

Der Kaufhof, der bundesweit 115 Warenhäuser betreibt, will seine Umsätze mit einer Markenoffensive wieder ankurbeln. Ein breiteres Angebot an zugkräftigen Markenartikel soll das Sortiment aufwerten und die Kassen kräftig klingeln lassen. Kaufhof, der seit 1995 zum Handelsriesen METRO gehört, strebt einen flexibleren Personaleinsatz mit Jahresarbeitszeitkonten an. Außerdem laufen Gespräche über den Abbau von bis zu 300 Stellen in der Kölner Kaufhof-Zentrale. Kaufhof sei kein Sanierungsfall und werde auch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben, betonte METRO-Chef Hans-Joachim Körber. Die Tochter werde 2004 dicht an ihr Vorjahresergebnis herankommen.

Kaufhof bereinigte Sortiment

"Alles unter einem Dach" gilt angesichts der Konkurrenz durch große Fachmarktketten, Discounter und Großmärkte auf der grünen Wiese schon lange nicht mehr. "Wir suchen uns heute das aus, was Innenstadtrelevanz hat", erläutert der Kaufhof-Chef Lovro Mandac. Schwerpunkte des Kaufhof-Sortiments bilden Bekleidung, Glas/ Porzellan, Wäsche, Parfümerie, Uhren/Schmuck, Lederwaren. Anderes wurde konsequent aussortiert: Autobatterien, Farbe und Möbel gibt es im Kaufhof schon längst nicht mehr. Unterhaltungselektronik und Musik verkauft mancherorts als Untermieter die Konzernschwester Saturn. Auch das Filialnetz wurde um Verlustbringer bereinigt: Kaufhof schloss in den 90er Jahren zahlreiche unrentable Warenhäuser. Mit Horten übernahm Kaufhof 1994 das Galeria-Konzept der Warenwelten, mit dem das Unternehmen den Fachmärkten Paroli bietet.

Das Firmenjubiläum 125 Jahre Kaufhof fällt trotz Sparzwang nicht ins Wasser: In Köln treffen sich am Sonntag über 20.000 Mitarbeiter und damit der Großteil der Belegschaft im Stadion des FC Köln. Für die Millionen Kunden plant Kaufhof Jubiläumsaktionen im Herbst.

Volker Danisch, dpa DPA

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