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Unrealistische Portionsangaben: Experiment zeigt, wie Hersteller Chips und Müsli gesundrechnen

Auf vielen Lebensmittelpackungen ist angegeben, wieviel Zucker und Fett eine Portion enthält. Aber wie groß ist eigentlich eine Portion? Die Verbraucherzentralen werfen den Herstellern bewusste Täuschung vor.

Müsli

Müsli kann gesund sein, enthält aber auch oft viel Zucker

Bei der Frage, wie ungesund bestimmte Lebensmittel sind, lautet die Antwort häufig: Es kommt auf die Menge an. Insofern könnte man es eigentlich als netten Service verstehen, dass viele Hersteller auf ihre Packungen schreiben, wieviel Zucker und Fett genau eine Portion enthält. Die Angabe je Portion ist für die Hersteller freiwillig - und wohl nicht ganz uneigennützig. Aus Sicht der Verbraucherzentralen dienen solche Angaben häufig dazu, das Produkt gesünder zu rechnen als es tatsächlich ist.

Der Vorwurf der Verbraucherschützer: Damit die Zucker- und Fettmengen geringer erscheinen, nennen die Hersteller von Müsli oder Chips auf ihren Packungen unrealistisch kleine Portionen. Um das nachzuweisen, ließen die Verbraucherzentralen bundesweit 1490 Verbraucher, solange Müsli und Chips in zwei Schalen füllen, bis für sie eine normale Portion erreicht war. Da die Probanden nur auf Messen und Aktionstagen befragt wurden, ist die Stichprobe zwar nicht repräsentativ, trotzdem lieferte das Experiment interessante Ergebnisse.

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Lindt

Die neuen Lindt-Tafeln mit 45, 55 und 65 Prozent Kakaoanteil sind zwar so groß wie eine 100-Gramm-Tafel Vollmilch. Sie sind aber rund einen Millimeter dünner. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert dies als versteckte Preiserhöhung um 19 Prozent. Lindt erklärte den Verbraucherschützern hingegen, man orientiere sich preislich an den dunklen "Excellence"-Varianten. Zudem kämen durch die "leicht reduzierte Tafeldicke" der "Schmelz und die Aromenentwicklung besonders gut zur Geltung". Immerhin stehen die 80 Gramm Füllmenge auf der Vorderseite der Packung. Genau diese Information wird aber laut Verbraucherzentrale in vielen Ladenregalen von einem goldenen Lindt-Werbestreifen verdeckt. (Oktober 2019)

Lücke zwischen Packungsangabe und Wirklichkeit

Die Essgewohnheiten der Befragten unterschieden sich demnach deutlich von den theoretischen Packungsangaben. So war bei einem Müsli die Portionsgröße auf der Packung mit 40 Gramm angegeben, die Probanden schaufelten sich mit durchschnittlich 81 Gramm das Doppelte in die Müslischale. Gleiches Bild bei den Chips: Statt den auf der Tüte angegebenen 30 Gramm, hielten die Verbraucher im Schnitt eine Menge von 63 Gramm für eine normale Portion.

"Zwischen Kennzeichnung und Wirklichkeit klafft eine große Lücke. Nach unserer Auffassung rechnen die Hersteller ihre Produkte mit den Mini-Portionen 'gesund'", erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg zu den Ergebnissen des Experiments. Denn eine doppelt so große Portion bedeutet auch, dass man doppelt so viel Zucker oder Fett zu sich nimmt.

Das Experiment zeigte zudem, dass Verbraucher unter einer für sie üblichen Menge höchst unterschiedliche Portionsgrößen verstehen. So lagen die von den Verbrauchern eingefüllten Müsli-Mengen zwischen elf und 302 Gramm. Bei den Chips ergab sich eine Bandbreite von drei bis 250 Gramm. 

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