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LKW-Maut: Toll-Collect-Chef Rummel entlassen

Nach der Pannenserie bei der LKW-Maut entlässt Toll Collect nun seinen Geschäftsführer Michael Rummel. Hans-Burghardt Ziermann, Sprecher der Geschäftsführung, tritt die Nachfolge an.

Die Pannenserie beim Lkw-Mautsystem hat erste personelle Konsequenzen: Der Chef der Betreiberfirma Toll Collect, Michael Rummel, muss gehen. Das Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Telekom und DaimlerChrysler beschloss zugleich die Bildung einer neuen Geschäftsführung sowie eines neuen Aufsichtsrates. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe begrüßte den Wechsel im Management und äußerte die Hoffnung auf einen Neuanfang, mit dem "vertrauensvoll und ehrlich" an die Aufarbeitung der Mängel und Defekte gegangen werden könne.

Neuer starker Mann bei Toll Collect soll der frühere Mannesmann-Telekommunikationschef Peter Mihatsch werden, der Aufsichtsratschef des Unternehmens wird. Der "international anerkannte Experte für Informations- und Telekommunikationsnetze" werde im Aufsichtsrat eine "aktive und steuernde Rolle" übernehmen, hieß es in einer Erklärung von Toll Collect. Mihatsch, der bereits seit längerem bei Toll Collect als Berater tätig ist, löst DaimlerChrysler-Vorstand Klaus Mangold zum 16. Dezember ab. Dieser scheide planmäßig aus dem Vorstand des Autobauers DaimlerChrysler sowie als Chef von DaimlerChrysler Services aus.

Warnung der Telekom ignoriert

Toll Collect geht nach den Personalentscheidungen davon aus, dass die "Weichen für einen erfolgreichen Start des Probebetriebs gestellt sind". Seit Tagen war angesichts zahlreicher Technik- und Terminprobleme bei der Installierung des Gebührensystems spekuliert worden, dass Rummel seinen Posten räumen müsse. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, den Einbau der Bordgeräte zur Maut- Abrechnung angeordnet zu haben, obwohl die Telekom auf Probleme hingewiesen habe.

Das von Toll Collect entwickelte System zur elektronischen Erhebung der Maut-Gebühren für Lastwagen sollte Ende August in Betrieb gehen. Der Start wurde jedoch mehrfach verschoben und ist nun für das nächste Jahr vorgesehen. Der Bundesregierung gehen dadurch mehrere hundert Millionen Euro verloren. Inzwischen ist auch ein heftiger Streit um Einsicht in die Verträge zwischen dem Bund und dem Betreiber-Konsortium entbrannt. Toll Collect wollte sich an diesem Dienstag erneut zu einer Offenlegung äußern. Während die Telekom laut Bundesverkehrsministerium bereits Zustimmung gegeben habe, stand eine Äußerung von DaimlerChrysler noch aus.

Ziermann neuer Geschäftsführer

Die Führung von Toll Collet übernimmt mit sofortiger Wirkung der für das operative Geschäft zuständige Manager und Sprecher der Geschäftsführung, Hans-Burghardt Ziermann. Dieser gehört der Geschäftsführung seit Januar diesen Jahres an. Zum Technik-Chef wurde der auch bisher im Maut-Projekt involvierte Manager Rainer Scholz berufen. Der Telekom-Manager Hans Karsten Kirchmann übernimmt von Dieter Häkes den Finanzbereich. Der französische Manager Alain Estiot bleibt nach wie vor für die Qualität zuständig.

Dem siebenköpfigen Kontrollgremium gehören außer dem künftigen Aufsichtsratschef Mihatsch je zwei Manager der Telekom, von DaimlerChrysler Services sowie vom französischen Konsortialpartner Cofiroute an. Mit den Organisations- und Personalentscheidungen wurde nach Angaben des Unternehmens die Überleitung von Toll Collect als Projektgesellschaft in die Maut-Betreibergesellschaft vorbereitet.

CDU fordert Stolpes Rücktritt

Bundestagsabgeordnete der Unionsparteien nahmen den Wechsel im Toll-Collect-Management zum Anlass, auch Stolpes Rücktritt zu fordern. Der CDU-Politiker Dirk Fischer erklärte, dass das politische Wirken Stolpes in Sachen Maut "geprägt (ist) durch Missmanagement, Vereinbarungen zu Lasten des Steuerzahlers, mangelndes Controlling gegenüber der Industrie sowie massive Fehler im Umgang mit Brüssel". Deshalb müsse Bundeskanzler Gerhard Schröder Stolpe entlassen. Die CSU-Abgeordnete Renate Blank meinte: "Stolpe, der als Ersatzkandidat von Kanzler Schröder zu seinem Job gedrängt werden musste, ist mit seinem Amt hoffnungslos überfordert."