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LKW-Maut: Big Brother hat Mautverweigerer im Blick

Brummifahrer müssen ab dem 31. August 15 Cent Maut pro Autobahnkilometer zahlen. Damit sie das auch tun, wird ein High-Tech System installiert, das die LKWs überwacht.

Die Orwellsche Vision des allgegenwärtigen Überwachungssystems "Big Brother" brachte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe am Mittwoch ins Spiel. Brummifahrer, die ab 31. August die Zahlung der durchschnittlich 15 Cent Maut pro Autobahnkilometer verweigern, hätten keine Chance, versicherte er bei der Vorstellung der Mauthöhen-Verordnung.

Bußgeld bis 25.000 Euro

300 fest installierte Brücken sollen über den Autobahnen für die fotografische Erfassung der Lastwagen sorgen. 300 mobile Kontrollteams achten zusätzlich darauf, dass kein Laster über den Beton donnert, der sich nicht eingebucht hat ins bundesweite Mautsystem. Schwarzfahren kann teuer werden: Das Gesetz sieht Bußgeld bis zu 25.000 Euro für Verweigerer vor.

Drei Konzerne stecken hinter der High-Tech

Da fast alles, was mit der Maut zusammenhängt, absolut High-Tech ist, ist es auch teuer. Und deshalb stehen hinter dem Betreiber Toll-Collect auch drei mächtige Konzerne: DaimlerChrysler, die Telekom und der französische Spezialist Cofiroute SA. Toll-Collect-Geschäftsführer Michael Rummel gab sich wie Stolpe zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten wird und Geräte aller Art in ausreichender Anzahl an jenem Sonntag gegen Ende der Hauptreisezeit zur Verfügung stehen. "Ein Sonntag ist es, weil es da am leichtesten ist, ein System für Lastwagen einzuführen", erläuterte Stolpe.

Das System "merkt" was

Die Maut kann automatisch oder manuell entrichtet werden. Automatisch geht es mit einem autoradiogroßen Empfangsgerät mit Antenne. Das Gerät zahlt der Bund, den Einbau der Spediteur. Das System "merkt" dank satellitengestützter Ortung, wenn die Autobahn befahren wird, und registriert Nutzer und Strecke, da es beim Verlassen der Autobahn wieder benachrichtigt wird. Nach der Abmeldung werden die Daten an Inkassosysteme übermittelt, die die Abbuchung vom Bankkonto veranlassen.

Einbuchen und ausbuchen

Den zunächst lieferbaren 150.000 bis 180.000 Geräten - im nächsten Jahr sollen es 800.000 sein - stehen eine Million Trucks gegenüber, die Autobahn fahren wollen. Wer sich also manuell einbuchen will oder muss, schiebt eine Kreditkarte vor Fahrtantritt an einem von 4.000 über die Republik verteilten Kartenautomaten ein. Er gibt sein Ziel an. Der Automat gibt drei Routen zur Auswahl. Der Fahrer entscheidet sich, und los geht’s. Wenn er von der Autobahn wieder herunterfährt oder seine Route ändert, muss er sich ausbuchen.

Toll-Collect knackt den Truckerblock

Wer uneingebucht mit dem Brummi auf die Piste geht, wird von der Kontrolle erwischt und muss mindestens nachzahlen, im Zweifel auch Bußgeld löhnen. Teile der Speditionslobby, die die Maut ablehnen, arbeiten schon an Plänen, wie sie mit Schlangen voller Ein- und Ausbucher an Autobahn-Raststätten den Ferienverkehr in den ersten Septembertagen aufmischen.

Schleichwege sollen verhindert werden

Tricks wie Umfahren der Kontrollbrücken auf Landstraßen hält Rummel für wirtschaftlich sinnlos. Das Ausweichen auf parallel führende Bundesstraßen oder gar Ortsdurchfahrten soll laut Stolpe verhindert werden, indem die entsprechenden Strecken ins Mautsystem einbezogen werden, sobald sie sich als Schleichwege herausstellen.

Drei Meter Abstand genügen

Und dann berichtete Rummel noch von dem Trick mit dem Truckerblock: Zehn Brummis fahren so dicht auf, dass nur das erste Kennzeichen erfasst wird. "Wir können bis auf drei Meter Abstand fotografieren", sagte Rummel. Stolpe meinte, man müsse schon das Kennzeichen schwärzen, wenn man um die Maut herumkommen wolle. Aber das dürfte strafrechtliche Folgen haben.

Datenverarbeitung

Über die weitere Verwendung der anfallenden Daten ist übrigens noch nicht entschieden. "Sie gehören dem Bund", sagt Rummel. Mit ihnen könnte man die Belastung des Autobahnnetzes, die Wege der einzelnen Laster und vieles andere erheben. Auch dies wird von der EU ebenso wie Mauthöhe und Systemkompatibilität aufmerksam beäugt - ein weites Feld für Profit versprechende "Mehrwertdienste", aber auch für Datenschützer.