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Winterzeit: Sogar Schnee wird teuer

Der Winter hat offiziell nicht begonnen, da fallen schon die ersten Schneeflocken. Die Bauern freuen sich, der Verkehrsminister übrigens auch - denn es gibt ein neues Bußgeld für die Wintersaison.

Ja, es wintert bereits. Normalerweise beginnt der Winter erst im Dezember (und dauert laut Kalender bis Februar), dieses Jahr aber beginnt das große Bibbern schon im November. "Im Bergland und zunehmend auch in etwas höheren Lagen hält der Winter Einzug. Der kalte Wind macht es aber auch im Flachland unwirtlich", sagt Martin Puchegger vom Deutschen Wetterdienst.

Und das ist vermutlich noch untertrieben. Die Tiefs "Petrus" und "Quentin" formieren sich derzeit zu einer riesigen Tiefdruckzone, die von Nordrussland über Skandinavien bis Mitteleuropa reicht. Kalte Luft dringt vom Nördlichen Eismeer her ins Land. Konkret bedeutet das: Von Regen über Graupel bis Schnee kann alles vom Himmel fallen - nicht nur im Gebirge sondern auch an der Küste.

Freude auf das Bußgeld

Was des einen Leid, ist des anderen Freud: Manfred Stolpe kann rutschigen Straßen und Schneematsch durchaus etwas abgewinnen. Kurz vor seinem Abgang hat der Bundesverkehrsminister nochmal die Straßenverkehrsordnung novellieren lassen. Wird sie am 16. Dezember durch den Bundesrat abgenickt, sind Autofahrer künftig verpflichtet, in der kälteren Jahreszeit Winterreifen aufzuziehen, das Kühlwasser mit Frostschutzmittel aufzufüllen und darauf zu achten, dass die Scheibenwischer funktionieren. Diese Maßnahmen sollen den Verkehr sicherer machen.

Und die Kassen der klammen Kommunen auffüllen. Denn Verstöße werden selbstredend geahndet. "Wer über die Strasse rutscht, wird 20 Euro Bußgeld bekommen, wer dabei den Verkehr behindert 40 Euro", erklärt Stolpes Mitarbeiterin Alexandra Brothan gegenüber stern.de. Schon Anfang 2006 könnten sich die Klingelbeutel der Polizei dank der Novelle füllen.

Petrus ohne Plan

Noch ist der Schnee nicht auf den Straßen liegen geblieben. Er kommt wohl wieder, aber wie oft und wie lang es in diesem Winter schneien wird, ist schwer zu sagen. "Petrus weiß nicht, was er vorhat", sagt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Jegliche Langzeitprognose findet er unseriös, das Wetter sei dafür viel zu chaotisch. Vorhersagen könnten allenfalls einen Zeitraum von zehn Tagen umfassen.

Die Bauernregeln, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden, widersprechen diesem Ansatz. Denn sie lassen die Menschen glauben, dass sich Wetterphänomene in schöner Regelmäßigkeit wiederholen. "Sie beruhen eben auf Beobachtung, die über Jahre hinweg vor langer Zeit gemacht wurden", sagt Michael Lohse vom Deutschen Bauernverband. Diese Beobachtungen hielt die Landbevölkerung fest, denn das Wetter hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Ernte.

Der Weizenkeim kuschelt mit Schnee

In diesen Tagen zum Beispiel können Bauern gar nicht genug von der weißen Pracht bekommen. "Je mehr Schnee im November fällt, desto fruchtbarer wird das Feld", weiß Lohse. Eine geschlossene Schneedecke schützt die gesäten Weizenkeime gegen den Frost - und dann werfen sie im kommenden Jahr eine satte Ernte ab.

Also eilt herbei, ihr Flocken! Die Bauern warten, Manfred Stolpe auch, die Kinder sowieso. Mag sein, dass die Autofahrer fluchen werden - über den Matsch und die Bußgelder. Aber so ist es nun mal mit dem Wetter und der Politik: Auch der Schnee wird teurer.

Shila Behjat mit Material von DPA