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Berlin vertraulich!: Merkels Auftritte werden gestoppt

Feier-Marathon in Berlin: Im Sommer müssen Deutschlands politische Größen von einem Fest zum nächsten hetzen. Etikette ist dabei genauso wichtig wie Durchhaltevermögen. Die Auftritte der Kanzlerin werden dabei besonders genau unter die Lupe genommen.

Von Hans Peter Schütz

Uff! Die schier unendliche Serie politischer Sommerfeste in und um Berlin ist endlich ausgestanden. Zwei Dutzend waren es, mindestens. Bundestagsfraktionen, alle Parteien, die Bundesländer und ihre Ministerpräsidenten, Lobbyistenverbände, Medien, Botschaften - wer da überall mitmacht, weil er wichtig ist oder sich wichtig fühlt, braucht Stehvermögen. Oder es ergeht ihm wie jetzt dem brandenburgischen Ex-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD), der letzte Woche beim SPD-Sommerfest im Volkspark Potsdam schon kurz nach seiner Ankunft mit einem Schwächeanfall zusammenbrach, von einem Notarzt versorgt und ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Zum Glück konnte der 72-Jährige bald wieder entlassen werden. Vor der SPD-Fete hatte er noch ein anderes Sommerfest besucht. Das schlaucht auch einen wie ihn, der immerhin jeden Tag mit Frühsport zu beginnen pflegt.

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Nicht jeder hat eben das Stehvermögen eines Walter Scheels. Kaum eine Sommerparty auch dieses Jahr, bei der der 89-jährige Ex-Bundespräsident nicht zusammen mit seiner Frau Barbara anwesend war. Auf der so genannten Stallwächter-Party der baden-württembergischen Landesvertretung schmetterte er zusammen mit Gotthilf Fischer sogar einmal mehr seine Markenmelodie "Hoch auf dem gelben Wagen". Künftig werden wir die Scheels allerdings deutlich seltener auf einer der Berliner Partys sehen, denn sie ziehen am Jahresende nach Freiburg. Barbara Scheel, deren fast hundertjährige Mutter ebenfalls in Freiburg lebt: "Wir waren in Berlin sehr glücklich, aber alles hat seine Zeit. Für meinen Mann wird alles ein wenig mühsam hier. Jetzt sind die Jungen dran."

Scheels ziehen aus ihrer 300-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Schöneberg um in die südbadische Metropole. Die Wohnung dort ist mit 135 Quadratmeter deutlich kleiner. Aber für den Altbundespräsidenten wird in das Haus extra ein Fahrstuhl eingebaut. Bis zum Umzug will das Ehepaar Scheel allerdings noch einmal alles mitnehmen, was Berlin an gesellschaftlichem Rummel bietet. Seinen 90. Geburtstag wird Scheel im nächsten Jahr allerdings auf jeden Fall in Berlin feiern. Wir sind sicher, dass er dann in Bestform an der Spree auftreten wird: Seine Ehefrau ist gelernte Krankenschwester und betrieb mal ein Rehabilitationszentrum.

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Eines der letzten Sommerfeste fand vergangene Woche auf dem Dach des Auswärtigen Amtes statt. Hausherr Frank-Walter Steinmeier, der diese Saison aus Gründen der persönlichen PR ebenfalls auf fast jedem Fest gesichtet worden ist, teilte in seiner Rede dabei den Journalisten, die ihn künftig auf seinen Auslandreisen begleiten, mit, worüber künftig im Flugzeug mit ihm geredet werden darf: "60 Prozent über Außenpolitik, 30 Prozent über Innenpolitik, zehn Prozent über Vermischtes." Und der Mann muss (will?) SPD-Kanzlerkandidat werden?

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Besonders hart ist die Sommersaison für die Bundeskanzlerin. Denn wenn Angela Merkel auf eines der Feste geht, wird ihre Präsenz auf die Minute genau gestoppt. Weilt sie zum Beispiel auf der Party der thüringischen Landesvertretung 49 Minuten, auf der niedersächsischen jedoch nur 44, dann wird ihr das unverzüglich wieder als politische Aktion ausgelegt: Sie habe damit zeigen wollen, dass ihr der thüringische CDU-Ministerpräsident Althaus lieber ist als der niedersächsische Regierungschef Wulff. Eilt sie dann anschließend auch noch zur ZDF-Party, wird ihr das als Schmuserei bei den TV-Journalisten mit Blick auf den kommenden Bundestagswahlkampf ausgelegt. Zum Stressabbau wird die Kanzlerin vermutlich ab Ende Juli zwei Wochen in Urlaub gehen. Natürlich ist geheim, wohin. Aber vermutlich wird sie mal wieder in Südtirol wandern. Hoffentlich läuft ihr dort nicht der SPD-Kanzlerkandidat in spe übern Weg. Denn Steinmeier geht ebenfalls dort wandern. Auf dem Weg nach Südtirol nimmt die Kanzlerin einen Termin wahr, der zu den wenigen gehören dürfte, zu denen sie mit fröhlichem Herzen eilt: Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele am 25. Juli.

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Neben all den Partys haben ernsthaftere politische Veranstaltungen es schwer, wahrgenommen zu werden. Aber eine öffentliche Diskussion zwischen den CDU-Politikern Heiner Geißler und Friedrich Merz gab im Nachhinein doch Anlass für politisches Getuschel. Weniger weil Geißler dabei wie ein grüner Fundamentalist auftrat. Merz war es, dem aufmerksam zugehört wurde. Die Wahl 2005 habe die CDU "verloren", sagte er, weil "wir inhaltlich nicht klar und personell chaotisch aufgestellt waren". Da sind einige im Kanzleramt zusammengezuckt und in der CDU haben sich viele gefreut. Vor allem deshalb, weil Merz, der nächstes Jahr den Bundestag verlässt, auf die Frage, ob dies ein endgültiger Abschied von der Politik sei, antwortete: "Es ist nicht auszuschließen, dass es einen Weg zurück gibt." Doch jetzt müsse er mal Abstand haben. Alle klatschten. Obwohl klar war von wem: von der Duzfreundin Angela.