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Luftverkehr: Die Freiheit über den Wolken

Das erklärte Ziel der europäischen Luftfahrt: Ein "Offener Himmel" zwischen Nordamerika und der EU. Die Amerikaner tun sich mit der Öffnung noch schwer.

In Hamburg hat die europäische Luftfahrt ihre transatlantischen Wünsche artikuliert - in der amerikanischen Hauptstadt Washington wird just in diesen Tagen wieder verhandelt. Das erklärte Ziel der Europäer: Ein "Offener Himmel" zwischen Nordamerika und der EU. Doch das ist ein langer und schwieriger Weg und niemand weiß, wann dieses Ziel erreicht wird.

Für den dänischen Luftfahrtexperten Frederik Sörensen, der jahrelang in vielen EU-Gremien wichtige Schlüsselfunktionen eingenommen hat, geht es "um einen fairen Marktzugang in Nordamerika und Europa für alle Airlines, die technisch und wirtschaftlich in Ordnung sind. Das ist bislang nicht der Fall". Sörensen stellte auf der 7. Hamburg Aviation Conference, an der drei Tage lang über 200 Luftfahrtexperten, Wissenschaftler und Luftfahrtmanager aus allen fünf Erdteilen teilgenommen haben, unmissverständlich fest: "Wir wissen nicht, wie lange die multilateralen Verhandlungen noch dauern werden, aber am Ende sollte es wirklich einen 'Offenen Himmel' zwischen den beiden wichtigsten Luftverkehrsmärkten der Welt geben."

"Das kann noch recht lange dauern"

Alan Cruickshank von den British Airport Authorities, dem zivilen Luftfahrtamt für die sieben wichtigsten Flughäfen Großbritanniens, glaubt fest daran, dass am Ende der komplizierten und zähen Gespräche zwischen der EU und den US-Behörden ein Vertrag stehen wird, der allen EU-Partnern einschließlich der neuen EU-Länder den uneingeschränkten Weg auf den nordamerikanischen Markt öffnet.

"Das kann noch recht lange dauern. Wir werden nur schrittweise vorankommen. Aber wir haben erstmalig die große Chance, eine totale Liberalisierung des Luftverkehrs zu erreichen, von dem alle profitieren, der erheblich helfen kann, die Kosten zu reduzieren und dem sich langfristig auch andere Regionen der globalen Luftfahrt anschließen könnten. Liberalisierung ist unser großes Ziel, nicht Intervention." Für Frederik Sörensen steht allerdings auch fest: "Wir Europäer sind schon weiter in der Bereitschaft, unsere Märkte zu öffnen." Die EU will generell Zutritt zum US-Markt haben.

Bilaterale Abkommen sollen abgelöst werden

Doch nur ganz große Optimisten rechnen damit, dass es schon bald einen Durchbruch bei den diesen transatlantischen Verhandlungen geben wird. Der renommierte kanadische Luftfahrt-Experte Prof. David Gillen beurteilt die komplizierten Verkehrsrechtsverhandlungen zwischen der EU und den USA bei allem Optimismus denn auch mit viel Skepsis. Ob es wirklich schon zum vielfältig geforderten "Offenen Himmel" und damit zur Ablösung der vielen höchst unterschiedlichen bilateralen Abkommen zwischen den verschiedenen europäischen Ländern und den USA kommen werde, hänge vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung in der USA ab.

Für David Gillen steht fest: "Der Weg zum 'Open Sky' ohne Begrenzungen in Nordamerika und Europa und ohne Airport- Beschränkungen ist ein langwieriger Prozess. Das kann noch zwei bis vier Jahre dauern." Für Gillen gilt dabei die Faustregel: Je schwieriger es der US-Wirtschaft geht, die derzeit mit vielen Problemen zu kämpfen hat, umso schneller wird es gehen. Gillen: "Die amerikanische Wirtschaft braucht diesen 'Offenen Himmel'. Deshalb wird ihre mächtige Lobby auch starken Druck auf die amerikanische Politik ausüben."

Karl Morgenstern, DPA / DPA
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