Mannesmann-Prozess Anklage will Freisprüche nicht hinnehmen


Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf will die Freisprüche im Mannesmann-Prozess nicht hinnehmen und legt deshalb Revision beim Bundesgerichtshof ein.

"Die Staatsanwaltschaft wird gegen das von der XIV. großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf am 22. Juli im sogenannten Mannesmann-Verfahren verkündete Urteil, mit dem die Strafkammer alle sechs Angeklagten freigesprochen hat, Revision zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe einlegen", teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Sobald die schriftliche Begründung des Urteils vorliege, beginne die einmonatige Frist, in der die Begründung der Revision vorgenommen müsse. Das Gericht hatte unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vom Vorwurf der schweren Untreue freigesprochen. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte keinen Kommentar zum Vorgehen der Staatsanwaltschaft abgeben.

Haftstrafen ohne Bewährung

Die Ankläger hatten im Mannesmann-Prozess zum Teil Haftstrafen ohne Bewährung gefordert. So plädierte die Staatsanwaltschaft im Fall des früheren Mannesmann-Aufsichtsratschefs Joachim Funk auf eine dreijährige Freiheitsstrafe. Für Ackermann forderten sie eine zweijährige Bewährungsstrafe. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, die rund 180 Milliarden Euro schwere Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren dazu genutzt zu haben, Managern Millionen-Prämien und -Abfindungen zuzuschieben. Dies habe den Tatbestand der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu erfüllt.

Das Gericht sprach die insgesamt sechs Angeklagten am Donnerstag jedoch frei. Die bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone vor vier Jahren gezahlten Prämien und Abfindungen seien nicht als Untreue zu werten und strafrechtlich nicht zu beanstanden, hieß es. Es habe aber Verstöße gegen das Aktienrecht gegeben. An diesen habe sich auch Ackermann beteiligt. Zivilrechtliche Verstöße gegen das Aktienrecht standen jedoch in dem Düsseldorfer Strafprozess nicht zur Verhandlung. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft hatte nach dem Urteil gesagt, das Gericht sei der Anklage in wichtigen Punkten gefolgt. Die Anklage stimme aber mit dem Ergebnis des Urteils - den Freisprüchen - nicht überein. (Reuters)

DPA

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