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RTL-Investigativteam enthüllt Wie gut sind die vermeintlich Guten? "Team Wallraff" durchleuchtet das Deutsche Rote Kreuz

Der Eingang zu einer Kleiderkammer
Eine "Team Wallraff"-Reporterin dokumentiert undercover als ehrenamtliche Helferin in einer Berliner Kleiderkammer, wie diese zum Selbstbedienungsladen wird
© TVNOW
Undercover-Reporter Günter Wallraff blickt mit seinem Investigativteam hinter die Kulissen des Deutschen Roten Kreuzes und deckt auf, dass Macht und Geld in manchen Fällen offenbar ähnlich wichtig sind wie Menschlichkeit.

In einer Kleiderkammer des Roten Kreuzes werden schöne Sachen für einzelne Mitarbeiter reserviert. "Das geht die Kunden gar nichts an", sagt die Verantwortliche über die Gelegenheit zur Selbstbedienung der Helfer. Sie ahnt nicht, wer ihr gegenübersteht: Eine junge Frau, die sich als hilfsbereite Studentin eingeschlichen hat, in Wirklichkeit aber eine Reporterin aus dem "Team Wallraff" ist, das seit Jahren verdeckt recherchiert.

Am Montagabend um 20.15 Uhr zeigt RTL das Ergebnis von vielen Monaten Arbeit des "Team Wallraff – Reporter undercover". Gleichzeitig ist der 90 Minuten lange Film über das Riesenreich des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auch im RTL-Livestream und anschließend in der Mediathek bei TVNOW zu sehen. Die Journalisten drangen ein in ein Imperium mit Millionen Mitgliedern, Hunderttausenden Mitarbeitern und Helfern – und mit Milliardengeschäften. 

Robuste Methoden und Zweckentfremdung von Rettungswagen

Reporter heuerten bei Dienstleistern an, die mit robusten Methoden und knallharten Provisionsvereinbarungen Spenden einwerben. Sie fuhren im Rettungswagen – der auch schon mal für geplante Routinetransporte eingesetzt wurde; was der Kollege vom DRK auf der mitlaufenden Tonspur als "Missbrauch von Rettungsmitteln" einordnet. Sie waren dabei, als ein Notruf wegen eines vermeintlichen Schlaganfalls mit dem Wunsch der Helfer in Konflikt geriet, ihre Zigarette aufzurauchen ("Fünf Minuten hin oder her").

Aber "Team Wallraff" geht es nicht um das Fehlverhalten von Einzelnen. Im Gegenteil: Wallraff und Kollegen verneigen sich ausdrücklich vor der Arbeit unzähliger Mitarbeiter des Roten Kreuzes und vieler ehrenamtlicher Helfer. Doch sie präsentieren Zustände, die es auch gutwilligen Mitarbeitern unmöglich machen, ihren Auftrag zu erfüllen. Etwa wenn sie ohne angemessene Ausbildung und Vorbereitung für einen Hausnotrufdienst zu Menschen in Not ausrücken – so wie es eine Reporterin getan hat.

Undercover-Rechercheur Günter Wallraff
Undercover-Rechercheur Günter Wallraff
© TVNOW / Stefan Gregorowius

Bei ihrer Reise durch die Innereien des Hilfskonzerns stoßen die Reporter um den prominenten Undercover-Rechercheur Günter Wallraff auf Strukturen, die zumindest verstörend sind. Auf Anleitungen, wie auf kritische Fragen zu reagieren ist – nämlich mit Schweigen. Sie erfahren, wie verflochten DRK und Politik auf allen Ebenen sind. Ein ehemaliger Spitzenfunktionär beklagt vor der Kamera, wie schwer sich der Verband mit Reformen tue. Und es wird deutlich, dass es oft eben nicht nur um Hilfe, sondern um Geld geht. "Wie viel Menschlichkeit steckt wirklich in der mächtigsten Hilfsorganisation Deutschlands?", fragen die Autoren. Nicht genug, lautet die Antwort. Wallraff sagt: "Unser Film soll positive Veränderungen bewirken, denn hier muss sich was verändern."

rw

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