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50 Jahre Condor: Von der Traditions-Airline zum Freizeitflieger

Die Vergangenheit der deutschen Fluggesellschaft war turbulent, aber auch ihre Zukunft ist ungewiss. Ihr Wunsch für das Jubiläumsjahr: Wieder der führende deutsche Ferienflieger werden.

Es begann mit einer Pilgerreise ins Heilige Land: Vor genau 50 Jahren nahm die heutige Condor ihren Flugbetrieb auf - und brachte in einem zehnstündigen Flug mit drei Maschinen jeweils 36 amerikanische Pilger über Ostern nach Israel. Binnen weniger Jahre wurde das Unternehmen eine der wichtigsten deutschen Airlines und versucht sich nun, nach Höhen und Tiefen, auch im Kampf gegen die Billigflieger.

Gegründet worden war die Condor 1955 als Deutsche Flugdienst GmbH unter anderem von der Lufthansa und der Deutschen Bundesbahn. Nach der Übernahme der Flugzeugflotte des Oetker-Konzerns nahm sie den Namen Condor an. Bereits Ende der 60er Jahre wurden mehrere 100.000 Passagiere pro Jahr gezählt. Eines der Hauptziele wurde Palma de Mallorca, aber auch damals schon standen exotischere Ziele wie Beirut oder Rio de Janeiro auf dem Flugplan des Charterfliegers.

"Die neue Condor ist da"

Einschneidend waren dann die Veränderungen Ende der 90er Jahre: Die Condor wurde Teil der C&N Touristic AG, der heutigen Thomas Cook AG mir ihren beiden Eigentümer Lufthansa und KarstadtQuelle. "Urlaub aus einer Hand" hieß das Konzept des integrierten Konzerns aus Reiseveranstaltern, Hotelbeteiligungen und Fluggesellschaft. 2002 drohte sogar das Aus für den Traditionsnamen: Um den in Deutschland neuen Konzern Thomas Cook schnell bekannt zu machen, wurde der Name Condor nahezu abgeschafft: "Thomas Cook Airlines", hieß es nun auf den Flugzeugen. Der Traditionsname stand praktisch nur noch im Anhängsel "powered by Condor".

Doch das Konzept wurde schnell wieder in Frage gestellt, als der Konzern und auch Condor in tiefrote Zahlen gerieten. Der damalige Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler musste gehen, unter seinem Nachfolger Wolfgang Beeser begann die Konzern-Sanierung. 2004 hieß es dann "Die neue Condor ist da". Der Schriftzug "Thomas Cook Airlines" wurde von den Flugzeugen wieder entfernt. Unter dem Lufthansa-Manager Ralf Teckentrup begann der Kampf gegen die Billigflieger, deren Preismodell übernommen wurde. Ab 29 Euro können nun Flüge gebucht werden, und mit dem Einzelplatzverkauf steht die zweite große Säule neben dem Verkauf von Sitzplätzen an Reiseveranstalter.

Wieder in den schwarzen Zahlen

Derzeit scheint das Konzept aufzugehen. Thomas Cook erzielt wieder Gewinn, und auch die Condor ist wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Im vergangenen Jahr zählte sie 7,3 Millionen Passagiere. Doch die Zukunft ist auch im Jubiläumsjahr ungeklärt: Denn vom "Ideal des integrierten Konzerns" will sich Thomas Cook schrittweise trennen, wie das Unternehmen bei seiner jüngsten Bilanzvorlage erklärte. Welche konkreten Schritte folgen, ist noch nicht entschieden. Teckentrup jedenfalls will Condor wieder zur "führenden Freizeitfluggesellschaft in Deutschland" machen.

Rochus Görgen/DPA / DPA