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Ackermann debattiert in Berlin: Der elder Bankman

Krise? Welche Krise? Josef Ackermann, scheidender Vorstand der Deutschen Bank, gibt sich in Berlin betont gelassen. Was ihn mehr zu jucken scheint als der Euro: Klaus Wowereit hat ihn nie angerufen.

Von Nils Handler

Die brutalen Machtkämpfe der vergangenen Monate um seine Nachfolge sind Josef Ackermann nicht anzumerken an diesem Mittwochabend. Der scheidende Vorstand des größten deutschen Geldhauses ist entspannt, lacht, parliert. Zwölf Scheinwerfer, die auf den Balustraden montiert sind, tauchen ihn in ein sonniges Licht. Hier, im Foyer der Deutschen Bank Berlin, fühlt sich Ackermann wohl. Das Gebäude liegt an der Prachtstraße Unter den Linden, ganz nah am Regierungsviertel.

"Berlin und wir - Was wir von der Hauptstadt erwarten" lautet der Titel der Diskussionsrunde, zu der die Stiftung Zukunft Berlin Ackermann geladen hat. Aber es geht gar nicht um die Stadt, Ackermanns Spielfeld ist größer, und die Moderatoren beginnen es sofort zu sondieren. "Was ist Ihr Rat für Angela Merkel in der akuten Krise?" ist die erste Frage. Ackermann grinst und predigt, was ihm und der Deutschen Bank gut täte. Von Eurobonds hält er nichts, von einer höheren Eigenkapitalrate der Banken ebenso wenig, aber er fordert, dass die hochverschuldeten Euroländer attraktive Konditionen bieten müssten, um ausländische Investoren reinzuholen. Überraschenderweise sieht er die aktuelle Krise gelassen. "Wir werden keine Rezession erleben, in den Schwellenländern sowieso nicht", sagt Ackermann. Deutschlands Wirtschaft werde im kommenden Jahr um 1,5 Prozent wachsen, auch die USA seien stabil, die jüngsten Börsenturbulenzen "absolut übertrieben".

"Ich habe auch viele Fehler gemacht"

Also nur falscher Alarm? Die Moderatoren, ansonsten nur Stichwortgeber für Ackermanns Monologe, wagen zumindest eine kritische Frage: Ob nach all den Verwerfungen in der Weltwirtschaft "die Linke nicht doch Recht" gehabt habe, wie der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher kürzlich einen seiner Kommentar betitelte. Ackermann räumt ein, dass "die Marktwirtschaft nicht überall solche Früchte gebracht hat wie erhofft". Aber er belässt es bei diesem Allgemeinplatz.

Etwas kritischer geht Ackermann, immerhin, mit der eigenen Person um. "Ich habe auch viele Fehler gemacht", sagt der Elder Bankman über seine Amtszeit. Fehler wie das Victory-Zeichen im dem Mannesmann-Prozess, das sich als unverschämtes Signet der Turbokapitalisten ins deutsche Gedächtnis einbrannte. Oder die Streichung von tausenden Stellen, um sein ehrgeiziges Renditeziel von 25 Prozent zu erreichen. So etwas kommt nicht gut an bei den Deutschen. Doch Ackermann hat aus seinen Fehlern gelernt, inzwischen lässt er sein Image von einer Heerschar PR-Profis polieren, angeführt vom ehemaligen Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Stefan Baron. Lehnten ihn laut einer Infratest-Umfrage anfangs 80 Prozent der Deutschen ab, sind es heute nur noch 20 Prozent.

Beratungsresistentes Berlin

Zu diesen 20 Prozent gehören die Spitzen der Linkspartei. Petra Pau, Vizepräsidentin des Bundestags, Harald Wolf, Spitzenkandidat in Berlin, und eine Handvoll weiterer Mitstreiter protestieren vor dem Gebäude der Deutschen Bank. Sie entrollen ein 5 mal 15 Meter großes Transparent mit der Aufschrift: "Euro-Krise: Verursacher zur Kasse!" Drinnen sind edle Anzüge zu sehen und teure Parfums zu riechen. Das Publikum lauscht Ackermann und nicht und den Kämpfern gegen die spekulativen Finanzmärkte, die selbst der ehemalige CDU-Bundespräsident Horst Köhler einst als "Monster" bezeichnete.

Zum Klein-Klein der Berliner Tagespolitik äußert sich ein Ackermann nicht, sein Rat beschränkt sich darauf, Zukunftsbranchen wie Erneuerbaren Energien und Medien zu fördern. Außerdem wärmt er seine Forderung auf, Berlin durch Steuervergünstigungen zur Zentrale der deutschen Konzernzentralen zu machen. Dafür müsse auch der Flughafen ausgebaut werden, denn die derzeitige Anbindung Berlins ist für Männer in seiner Gehaltsklasse nicht kommod. "Es ist mühsam, nach 20 Stunden Flug erst noch in Frankfurt umzusteigen", sagt Ackermann.

Ein wenig verwundert ist der Banker darüber, dass diese Vorschläge noch nicht gewürdigt wurden. In Peking und Singapur würde er alle halbe Jahr bei der Stadtplanung unter die Arme greifen, sagt Ackermann. Aber Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, habe noch nie zum Telefon gegriffen, um sich mit ihm zu beratschlagen. "Wenn er mich anruft, bin ich sofort da."