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Ackermann-Nachfolger Deutsche Bank soll Doppelspitze bekommen


Die jahrelange Debatte um die Nachfolge von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank nimmt langsam genauere Formen an. Angeblich sprechen sich einige Aufsichtsratsmitglieder für eine Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Die Aktionäre der Deutschen Bank dringen auf eine schnelle Nachfolgeregelung an der Spitze des Unternehmens. Das bisherige Vorgehen schade nicht nur möglichen Kandidaten, sondern auch dem Unternehmen, sagte Hans-Christoph Hirt vom Finanzdienstleister Hermes, der mehr als 20 große Pensionsfonds mit Investitionen in die Deutsche Bank berät. Der Nominierungsausschuss der Bank kam Medienberichten zufolge am Sonntag zusammen.

Hirt sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", er habe große Zweifel, "ob der Aufsichtsrat seinen Job bisher gut gemacht hat". Der Vorsitzende des Gremiums, Clemens Börsig, traf sich Medienberichten zufolge am Sonntag mit den Aufsichtsratsmitgliedern Tilman Todenhöfer von Bosch und dem ehemaligen Bayer-Chef Werner Wenning - die drei bilden zusammen den Nominierungsausschuss. Auch Vorstandschef Josef Ackermann, für den ein Nachfolger gefunden werden soll, sei bei den Beratungen zugegen gewesen, berichtete die Online-Ausgabe des "Handelsblatt" aus dem Umfeld der Gespräche. Die Deutsche Bank macht offiziell keinerlei Angaben zu den Beratungen.

Laut Handelsblatt sind Börsig und weitere Aufsichtsratsmitglieder für eine Doppelspitze aus dem Investmentbanker Anshu Jain und dem Deutschland-Chef Jürgen Fitschen. Diesen Vorschlag werde der Nominierungsausschuss dem Aufsichtsrat unterbreiten. Ob dieser es mittrage, sei offen: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen", zitierte "Handelsblatt-Online" einen Aufsichtsrat. Es gebe nach wie vor Vorbehalte gegen Fitschen als Co-Chef, da er mit bald 63 Jahren relativ alt sei. "Viele wollen einen Generationenwechsel." Ackermann selbst bevorzuge Finanzkreisen zufolge Risikovorstand Hugo Bänziger als Co-Chef neben Jain, berichtete das Online-Portal.

Ein Sprecher der Bank dementierte am Sonntag einen Bericht des "Spiegel", wonach Ackermann bei einer Vorstandssitzung am Dienstag selbst für seinen Wechsel in den Aufsichtsrat geworben habe. Ackermann habe vielmehr erklärt, dass sich an seiner erklärten Haltung zu einem Wechsel in den Aufsichtsrat nichts geändert habe. Der Vorstandschef hatte im April einen Wechsel in das Kontrollgremium ausgeschlossen.

Ackermanns Vertrag als Vorstandsvorsitzender läuft im Mai 2013 aus. Als ein Kandidat für seine Nachfolge hatte der ehemalige Bundesbank-Chef Axel Weber gegolten, seitdem dieser im Februar überraschend seinen Rücktritt bei der Notenbank verkündet hatte. Weber aber hatte Anfang Juli erklärt, im kommenden Jahr zur Schweizer Großbank UBS wechseln zu wollen. Seitdem ist die Personal-Debatte bei der Deutschen Bank wieder voll entbrannt.

Anshu Jain bringt mit dem Investmentgeschäft seit Jahren einen Großteil der Erträge der Bank ein. Er gilt als starker Mann hinter Ackermann und als heißer Anwärter auf dessen Nachfolge. Allerdings besitzt der gebürtige Inder keine guten Verbindungen in die deutsche Politik und beherrscht die deutsche Sprache nicht. Diese Lücken könnte Deutschlandchef Fitschen füllen. Im werden gute Kontakte in der deutschen Unternehmenslandschaft nachgesagt. Außerdem gilt er auch international als gut vernetzt.

AFP AFP

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