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Affäre um Lustreisen: Schwere Vorwürfe gegen VW erhoben

Die Verteidigung im Prozess um die VW-Affäre hat dem Management von Volkswagen vorgeworfen, Zeugen an wahrheitsgemäßen Aussagen zu hindern. Die Staatsanwaltschaft will in den kommenden Wochen Personen aus Piëchs Umfeld befragen.

Im Prozess um Lustreisen und Korruption bei Volkswagen hat die Verteidigung dem VW-Konzern vorgeworfen, Zeugen beeinflussen zu wollen. Mit der öffentlichen Androhung von Verleumdungsklagen versuche VW, die Aufklärung über eine mögliche Mitwisserschaft des früheren Konzernchefs Ferdinand Piech zu erschweren, sagte Rechtsanwalt Johann Schwenn am Mittwoch vor dem Braunschweiger Landgericht. "Das ist der Versuch, die Zeugen an wahrheitsgemäßen Aussagen zu hindern", sagte der Anwalt des angeklagten Ex-Betriebsratschefs Klaus Volkert.

Die Staatsanwaltschaft will durch die Befragung von drei neuen Zeugen - darunter Audi-Chef Rupert Stadler und Ex-VW-Finanzvorstand Bruno Adelt - klären, ob Piëch von Bordellbesuchen auf Betriebskosten und Sonderzahlungen an Betriebsratschef Volkert wusste. VW hatte am Montag in einer Presseerklärung solche Verdächtigungen zurückgewiesen und angekündigt, das Unternehmen prüfe eine Strafanzeige wegen Verleumdung. Eine Mitwisserschaft der Konzernführung würde das Strafmaß für Volkert und den mitangeklagten Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer möglicherweise verringern. Gebauer muss sich wegen Untreue, Volkert wegen Anstiftung dazu verantworten.

Neu Hinweise über die Rolle Piëchs

Die Staatsanwaltschaft hatte neue Hinweise bekommen, nach denen Finanzchef Adelt Vorstandschef Piëch auf Unregelmäßigkeiten bei den Spesenabrechungen hingewiesen habe. Daraufhin habe Piëch seinen Büroleiter, den heutigen Audi-Chef Stadler, beauftragt, dies zu überprüfen. VW entgegnete daraufhin, eine Revision des fraglichen Spesenkontos habe es von 1997 bis zum Ende Amtszeit Piechs 2002 nicht gegeben.

Rechtsanwalt Schwenn erklärte, es sei davon auszugehen, dass die neuen Zeugen "nachgerade gecoacht werden sollen und die Aussageinhalte dadurch leiden". Die Staatsanwaltschaft sieht dies gelassener. "Wir gehen davon aus, dass das Gericht dazu in der Lage ist, diese Gefahr zu erkennen", sagte Staatsanwalt Hans-Christian Koch.

Reuters / Reuters