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Affäre um WM-Tickets: Klage gegen Claassen "aberwitzig"

"Die Bodenhaftung verloren" - im Prozess gegen den ehemaligen EnBW-Chef Utz Claassen hat die Verteidigung die Staatsanwaltschaft scharf kritisiert. Für die Verteidiger ist die geforderte Geldstrafe maßlos.

Im Korruptionsprozess gegen den ehemaligen EnBW- Chef Utz Claassen wegen der WM-Ticket-Affäre hat die Verteidigung die Staatsanwaltschaft massiv kritisiert. Rechtsanwalt Steffen Stern sagte am Dienstag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Karlsruhe: "Die Staatsanwaltschaft hat mit ihren Unterstellungen übertrieben und die Bodenhaftung verloren." Das Anklagekonstrukt sei "aberwitzig" und der Antrag auf Verhängung einer Geldstrafe von 450.000 Euro maßlos. "Unser Mandant ist in allen Anklagepunkten ohne Wenn und Aber freizusprechen."

Der Ex-Manager muss sich seit Anfang November wegen Vorteilsgewährung verantworten. Mit seiner Weihnachtspost 2005 waren Ticketgutscheine für die Fußball-WM 2006 an sechs Mitglieder der baden-württembergischen Landesregierung und den Staatssekretär im Bundesumweltministerium verschickt worden.

Anwalt Stern beharrte darauf, dass die Einladungen Teil des EnBW-Engagements als offizieller WM-Sponsor gewesen seien. "Das Engagement von Unternehmen in Public-Private-Partnership droht angesichts solcher Ermittlungen zum Wagnis zu werden", sagte Stern. Die Staatsanwaltschaft wirft Claassen Vorteilsgewährung in sieben Fällen vor und fordert eine Gesamtstrafe von 450.000 Euro.

Mit der von der Anklage verlangten Verurteilung zu 90 Tagessätzen zu je 5000 Euro wäre Claassen nicht vorbestraft. Claassen beteuerte in seinem Schlusswort erneut seine Unschuld. "Niemand wollte mit der Weihnachtskartenaktion 2005 etwas Unrechtes tun", sagte er. Das Landgericht will sein Urteil am Mittwoch verkünden.

DPA/ Reuters / DPA / Reuters