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Abzug des Westens Afghanistans Bodenschätze: Für diese Rohstoffe interessieren sich China und Co.

Chinas Außenminister Wang Yi traf den afghanischen Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar im Juli zum Gespräch
Chinas Außenminister Wang Yi traf den afghanischen Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar im Juli zum Gespräch
© Li Ran / DPA
Der Westen flieht aus Afghanistan, China bemüht sich um gute Beziehungen. Das liegt an Sicherheitsinteressen, aber auch an wirtschaftlichen. Denn das arme Afghanistan ist reich an Bodenschätzen.

Während sich rund um den Rückzug des Westens aus Afghanistan dramatische Szenen abspielen, schaut China schon nach vorne. Als erstes Land hat die chinesische Führung den Taliban "freundliche Beziehungen" angeboten, nur wenige Stunden nachdem der afghanische Präsident außer Landes geflohen war. Dass die Chinesen mit den afghanischen Taliban gut auskommen wollen, war bereits im Juli deutlich geworden, als sich Chinas Außenminister Wang Yi persönlich mit Taliban-Führer Abdul Ghani Baradar getroffen und Seite an Seite für ein Foto posiert hatte.

Die chinesische Freundlichkeit gegenüber den neuen Machthabern in Afghanistan beruht allerdings weniger auf Sympathie als vielmehr auf strategischen Interessen. Die beiden Länder teilen eine 76 Kilometer lange Grenze und die chinesische Führung hat Angst vor militanten Islamisten, die in die Provinz Xinjiang einsickern könnten, wo Peking mit harten Repressalien gegen die muslimische Minderheit der Uiguren vorgeht. 

Kupfer, Seltene Erden, Gold und mehr

Neben dem Sicherheitsinteresse geht es im Umgang mit den Taliban aber auch um wirtschaftliche Interessen. China wünscht sich Stabilität in der Region, um sein Infrastrukturprojekt der neuen Seidenstraße voranzutreiben. Zudem ist Afghanistan selbst zwar ein armes Land, verfügt aber über wertvolle Bodenschätze. Allein in den 30 Prozent des Landes, die die afghanische Regierung gemeinsam mit der US-Geologiebehörde USGS untersuchen konnte, werden Rohstoffe im Wert von bis zu drei Billionen US-Dollar vermutet.

Laut USGS handelt es sich um große Vorkommen einer ganzen Reihe von Mineralien und Metallen, die für die Industrie interessant sind. Zu den größten Schätzen zählen reiche Vorkommen an Kupfer und Eisen. Aber auch die für Hightech-Produkte benötigten Seltenen Erden sowie das für Batterien gefragte Lithium und Kobalt schlummern in großen Mengen im afghanischen Boden. Zudem gibt es auch Kohle, Öl und mehrere große Goldadern. 

China ist schon vor Ort

Der Traum des Westens, mit der Erschließung der reichen Vorkommen die Bevölkerung aus der Armut zu befreien, ist allerdings nie Wirklichkeit geworden. Der Abbau der Rohstoffe wurde in den vergangenen Jahren stets von der Sicherheitslage sowie massiver Korruption behindert. So zählt der illegale Bergbau zu den größten Einnahmequellen der Taliban.

Mit westlichen Firmen werden die neuen Machthaber bei der Ausbeutung der Rohstoffe wohl kaum zusammenarbeiten. Andere Länder können dagegen auf Geschäfte hoffen, auch wenn noch vieles unklar ist. Ob am Ende China, Russland oder das benachbarte Pakistan stärker zum Zug kommen, scheint derzeit noch alles andere als ausgemacht. Doch die Karten werden durch die Lücke, die die Amerikaner und ihre Verbündeten hinterlassen, zumindest neu gemischt.

So hat sich die China Metallurgical Group schon 2007 für 30 Jahre die Schürfrechte für den bei Kabul gelegenen Ort Mes Aynak gesichert. Hier lagert das mutmaßlich größte unerschlossene Kupfervorkommen der Welt mit einem geschätzten Wert von 100 Milliarden Dollar. In Gang gekommen ist der Abbau in den vergangenen Jahren aber noch nicht, unter anderem weil die Taliban mit Angriffen drohten. Nun können Chinesen und Taliban das ganz offiziell unter sich ausmachen.

Quellen: USGS / DPA / Reuters / Deutsche Welle / Handelsblatt

bak

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