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Airbus-Krise: Jetzt wehren sich die Mitarbeiter

In den deutschen Airbus-Werken Varel und Nordenham ruht weiterhin die Arbeit - die Gewerkschaften haben angekündigt, den möglichen Verkauf der Werke nicht zu tolerieren. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Wulff hält plötzlich nichts mehr von freier Marktwirtschaft.

Die Airbus-Sanierungspläne - die 10.000 Jobs zur Disposition stellen - stoßen auf heftigen Widerstand der betroffenen Beschäftigten. In den niedersächsischen Werken Varel und Nordenham ruhte die Arbeit weiter. In Laupheim in Baden-Württemberg demonstrierten die rund 1200 Mitarbeiter geschlossen gegen den möglichen Verkauf. Die IG Metall forderte die Bundesregierung auf, sich für den Verbleib der Airbus-Werke im Unternehmen einzusetzen. Die Gewerkschaft werde eine Schließung der Standorte nicht akzeptieren, sagte die Chefin des IG-Metall-Bezirks Küste, Jutta Blankau. Airbus-Deutschlandchef Gerhard Puttfarcken sprach von guten Perspektiven für die deutschen Werke und rief die Mitarbeiter zur Besonnenheit auf.

In Deutschland sollen dem am Mittwoch vorgestellten Sanierungsplan "Power8" zufolge 3700 Stellen wegfallen. Weitere 4300 Arbeitsplätze sind in Frankreich betroffen - davon 1100 auf die Airbus-Zentrale in Toulouse. In Großbritannien sind es 1600 Stellen und 400 in Spanien. Für Varel mit 1350 Mitarbeitern, Laupheim und das französische Werk St. Nazaire-Stadt werden "alle Möglichkeiten" geprüft. Dazu zählen neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch ein Management-Buyout oder die Fusion mit anderen Werken. Für Nordenham mit 2200 Beschäftigten sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften".

Der Geschäftsführer von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken, sprach trotzdem von guten Perspektiven für die deutschen Airbus-Werke. "Die Voraussetzungen sind gut, die Auslastung ist über Jahre gegeben", sagte Puttfarcken. Er werde sich am Freitag dem Dialog mit dem Mitarbeitern stellen und Betriebsversammlungen in den Werken besuchen. "Sorgfalt geht vor Schnelligkeit", sagte zur Auswahl von möglichen Kooperationspartner.

Bundesregierung begrüßte Sanierungskonzept

Die IG Metall hat noch Hoffnung, die Maßnahmen abzumildern. "Der Zug ist noch nicht abgefahren", sagte die Gewerkschafterin Blankau dem Deutschlandradio. Das Unternehmen sei zu Gesprächen bereit. "Es besteht aus unserer Sicht nicht die Notwendigkeit, so gravierende Maßnahmen zu machen, weil Airbus nicht zu vergleichen ist mit üblichen Sanierungsfällen", sagte Blankau. Die Bundesregierung hatte das Sanierungskonzept bereits als ausgewogen begrüßt. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kündigte an, für den Erhalt der Standorte kämpfen zu wollen: "Wir lehnen es ab, dass sich Airbus von Standorten trennen will".

Die französische Opposition forderte ein abgestimmtes Eingreifen Deutschlands und Frankreichs, um die Abwanderung von Airbus- Arbeitsplätzen in Billiglohnländer zu verhindern. Die Sozialisten- Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal werde am 6. März mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Rolle der Staaten bei der Rekapitalisierung des Konzerns reden. Royal hatte zuvor ein Moratorium der Konzernreform und die Rettung der Arbeitsplätze gefordert. "Ich werde die gesamte Führung des Unternehmens von Grund auf neu aufbauen", sagte sie. Darüber wolle sie mit Merkel reden.

DPA / DPA