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Andreas Utermann: Allianz-CEO gibt seinen Job auf und wird Hausmann – damit seine Frau durchstarten kann

Andreas Utermann, CEO von Allianz Global Investors, geht einen ungewöhnlichen Schritt: Der 53-jährige Manager beendet seine Karriere und kümmert sich ab jetzt um die Kinder, damit seine Frau Zeit für ihre Firma hat.


Andreas Utermann, CEO von Allianz Global Investors

Andreas Utermann, CEO von Allianz Global Investors, hört auf und bleibt ab dem 1. Januar 2020 zu Hause

Getty Images

Aus dem Chefsessel geht es für Andreas Utermann im nächsten Jahr direkt auf die Couch: Der CEO des Vermögensverwalters Allianz Global Investors entschied sich nach einer erfolgreichen Karriere in der Finanzbranche nun dazu, seinen Posten abzugeben und Hausmann zu werden. Für seine drei Kinder, und insbesondere auch für seine Frau, die sich nun vollends ihrer eigenen Firma widmen möchte.

Wie er im Interview mit der "Wirtschaftswoche" erzählt, habe er seine Partnerin bereits vor 25 Jahren kennengelernt. Damals sei sie auch in der Finanzindustrie tätig gewesen, habe ihren Job aber nach der Geburt der dritten gemeinsamen Tochter aufgegeben. Schon damals sei die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ein Thema für ihn gewesen: Um sich ebenfalls regelmäßig in der Erziehung miteinzubringen, habe Utermann von seinem Arbeitgeber damals unbezahlten Urlaub bekommen. Bis 2015 seien das vier Wochen pro Jahr gewesen, in denen er unentgeltlich zu Hause geblieben sei. 

Von Allianz Global Investors zu Netflix

Seitdem hat sich seine Frau aber eine eigene Firma aufgebaut – der sie sich nun vollends verschreiben wolle. "Nun stellte sich die Frage, wer kümmert sich um die Kinder? Es gab drei Optionen: Meine Frau hört ein zweites Mal mit ihrer Karriere auf, die Kinder gehen aufs Internat – oder ich ändere was", so der Allianz-Manager. Dass beide arbeiten, sei einfach nicht möglich: Als CEO müsse er einfach zu oft verreisen, seine Frau habe mit ihrer Firma auch zu viel zu tun, als dass sie sich nebenbei um die Familie kümmern könnte. "Also bin ich jetzt dran – und das ist fair".

Im kommenden Januar gibt Utermann seinen Posten als CEO ab. Dann lebe er als Hausmann und als Privatier, also von seinem Vermögen. Die Kinder wolle er morgens in die Schule schicken und nachmittags wieder zu Hause empfangen. Zwischendurch sollen dann die privaten Investments verwaltet werden. "Vielleicht lese ich auch mal ein Buch oder schaue so eine Netflix-Serie. Davon habe ich bisher nur von anderen gehört". Für seine privaten Beziehungen und den Rest der Familie hätte er dann endlich auch mehr Zeit, wird der Manager von der "Wirtschaftswoche" zitiert.

 

So reagierte Utermanns Umfeld

Die Reaktionen zu seiner Entscheidung fielen unterschiedlich aus: Die Haushälterin sei laut Utermann hauptsächlich irritiert gewesen, seine " Vierzehnjährige wollte wissen, ob wir uns jetzt noch Urlaube leisten könnten". Seine Chefin aus dem Allianz-Vorstand sei dagegen nicht überrascht gewesen und habe seinen Abgang "in den sozialen Medien sehr nett kommentiert".

Später doch nochmal einen Job anzunehmen, kann der Allianz-Manager sich durchaus vorstellen: "Dass ich noch einmal etwas Bezahltes mache, will ich nicht ausschließen, sobald meine Kinder aus dem Haus sind", sagt Utermann. Eine Bedingung stellt der Ex-CEO dafür allerdings: "Ich werde keinen Job mehr machen, der mir zwei Jahre im Voraus meinen Terminkalender diktiert."

Quelle: "Wirtschaftswoche"

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