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"Die Story im Ersten": Gefährliche Produkte und Plagiate aus China: Amazon steht am Pranger

Die ARD hat sich den Internethändler Amazon vorgeknöpft. Dort würden neben Fälschungen auch gefährliche Produkte angeboten. Vor allem Amazons Marketplace steht in der Kritik.

Streiks bei Amazon

Amazon streikt über Osterfeiertage. Seit Jahren fordert Verdi eine Bezahlung der Beschäftigten des Onlineriesen nach den Tarifen des Einzelhandels.

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Das ARD-Fernsehprogramm am Montagabend wird man bei Amazon wohl nicht gerne gesehen haben. Denn die Reporter nahmen in der "Story im Ersten" den Internethändler Amazon unter die Lupe. Das Ergebnis ihrer Recherche: Amazon ist längst Teil des deutschen Alltags: Rund 40 Mal im Jahr bestellen Kunden dort, der Umsatz von Amazon liegt in Deutschland bei mehr als 20 Milliarden Euro. Diese Marktmacht birgt einige Gefahren mit sich.

Ein kritischer Punkt: Über Amazon würden Fälschungen verkauft, die die Sicherheit der Verbraucher betrifft. Konkret geht es um Ersatzteile fürs Auto. Die würden von Kunden zum Spottpreis bei Amazon gekauft und dann zum KfZ-Mechaniker gebracht, damit dieser sie verbaut. Thomas Frey, ein Kfz-Meister aus Ludwigsburg, warnt vor dieser Ware. "Ich sehe qualitative Risiken bei den Teilen. Gerade bei Bremsen und Stoßdämpfern, Bremsschläuchen, Fahrwerksteilen - das sind sicherheitsrelevante Teile wie Lenkung und Sonstiges. Und wenn da ein minderwertiges Produkt verbaut wird, das ist ein Riesen-Sicherheitsrisiko", sagt er in dem Bericht. Die Reporter fragen bei Audi nach, das die Schwemme von nachgemachten Autoteilen in Fernost bestätigt. Audi erwartet von Amazon, mehr dagegen zu tun: "Amazon ist ja nicht gerade der kleinste Betreiber, sondern weltweit der führende, dass der da eine gewisse Proaktivität an den Tag legt, um auch ein Zeichen zu setzen und zu sagen: Hier ist Amazon, wir wollen mit Fälschungen auf unserer Plattform nichts zu tun haben", so der Markenschutzbeauftragte von Audi.  

Amazon: Gefälschte Produkte können gefährlich sein

Auch gefährliche Elektronik wird immer wieder auf der Plattform von Amazon verkauft. Außenlichterketten, nachgemachte Handys: Die China-Ware fällt bei Hendrik Schäfer vom Verband der Elektrotechnik durch. So waren Teile des Ladekabels "potenziell lebensgefährlich." "Wenn man auf Nummer sicher gehen will, achtet man auf ein unabhängiges Prüfzeichen von einem dritten Prüfungsinstitut. Das können der VDE oder der TÜV sein. Im besten Fall rettet das Leben", so der Experte.

Doch nicht nur gefährliche Autoteile- und Elektro-Fälschungen prangern die Reporter an. Auch im Beauty- und Drogeriebereich sehen die Doku-Macher Handlungsbedarf. Dort würde Amazon Artikel verkaufen, die für den deutschen Markt gar nicht zugelassen seien. Die Drogeriekette Rossmann, sowohl Konkurrent als auch ehemaliger Amazon-Partner, hat eine Recherche in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: "Wir haben bei 24 Artikeln 94 Verdachtsfälle gefunden, die so nicht konform mit der gültigen Gesetzeslage sind. Amazon wird nicht kontrolliert. Das ist kein fairer Wettkampf!", beschwert sich Raoul Rossmann, Sohn des Firmengründers in dem Bericht. Er kritisiert, dass notwendige Angaben auf den Verpackungen fehlen würden. Aber es wird noch schlimmer: Offenbar war ein Haarwuchsmittel über Amazon vertrieben worden, in dem das von Rossmann beauftragte Labor multiresistente Keime entdeckte. Das Produkt wurde danach zwar nicht mehr über Amazon vertrieben, doch angeblich soll es inzwischen mit neuer Verpackung wieder beim Onlinehändler erhältlich sein.

Amazon äußert sich auf stern-Nachfrage nicht zu dem TV-Beitrag, sondern verweist auf die Angaben, die das Unternehmen gegenüber den ARD-Reporter gemacht hat. Dort heißt es unter anderem: "Wir verkaufen nur Produkte, die nach deutschem Recht zum Verkauf zugelassen sind... Wir arbeiten eng mit den Behörden und der Polizei zusammen, um sie bei ihren Ermittlungen zu unterstützen."

Plagiate auf Amazon Marketplace

Auch der stern hatte bereits über einen Plagiatsfall bei Amazon berichtet. Damals ging es um ein Parfüm der Marke Issey Miyake. "Selbstverständlich darf bei Amazon nur Originalware als solche angeboten werden - dazu sind Marketplace-Verkäufer per Teilnahmebedingungen verpflichtet", sagte eine Amazon-Sprecherin damals dem stern. Klar ist: Produktfälschungen sind ein Ärgernis für Amazon, denn sie ruinieren das Image des Unternehmens. "Erlangen wir Kenntnis darüber, dass die Teilnahmebedingungen nicht eingehalten werden, prüfen wir dies unverzüglich, entfernen die entsprechenden Produkte umgehend und ergreifen gegebenenfalls weitere Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Teilnahmebedingungen bezüglich Originalware eingehalten werden", so Amazon weiter.

Licht und Schatten beim Marketplace

Die Probleme, die auch die ARD aufzeigt, liegen weniger bei den Produkten, die Amazon direkt vertreibt - das Problem ist der Marketplace. Dort können die Händler recht unbehelligt ihre Geschäfte machen. Amazon kassiert eine Provision von 15 bis 20 Prozent. Melden Kunden Verstöße gegen die Geschäftsbedingungen, wird Amazon aktiv - so sperrte der Onlienriese 2017 eine große Zahl der Marketplace-Händler. Auch gegen gefälschte Produktbewertungen geht Amazon vor. Allerdings: "Bei den Händlern ist Amazon nicht ganz so rigoros: Das Unternehmen hat ein Interesse daran, dass es möglichst viele von ihnen gibt. Schließlich verdient Amazon an jeder Transaktion mit und erhält in der Regel 15 Prozent vom Bruttoverkaufspreis", sagt Trutz Fries, der ein Handbuch für Amazon-Marketplace-Verkäufer geschrieben hat, zur "Wirtschaftswoche".


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