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Auch deutsche Kunden betroffen: Wenn nicht bestellte Sex-Toys von Amazon geliefert werden - das sagt das Unternehmen dazu

Es ist mysteriös: Kunden bekommen Amazon-Pakete geliefert, die nicht bestellt wurden. Darin befindet sich billige Technik oder Sex-Spielzeug. Bislang gab es die Masche nur in den USA und Kanada. Jetzt zeigt sich: Auch deutsche Kunden sind betroffen.

Amazon-Kunden bekommen nicht bestellte Pakete

Amazon-Kunden bekommen nicht bestellte Pakete

Getty Images / Picture Alliance

Als Anfang November ein Amazon-Paket bei Julia W. ankam, war es eine Überraschung. Denn geordert hatte sie nichts. Als sie das Päckchen öffnete, fand sie einen Vibrator darin. Rund zwei Monate später kam noch ein Paket. Diesmal war eine Handyhülle darin. Auch die hatte Julia W. nie bestellt. Ende Januar trudelte noch eine Lieferung ein. "Das dritte Paket habe ich nicht vollständig ausgepackt, weil ich mich extrem geekelt habe. Man konnte allerdings Handfesseln, Fußfesseln und viel schwarzes Leder erkennen. Ich gehe von einer Liebesschaukel oder ähnlichem aus", berichtet sie dem stern.

Rätselhafte Amazon-Pakete, die nie bestellt wurden

In den USA und Kanada wird seit Monaten gerätselt: Wer steckt hinter den Paketen, die bei Amazon-Kunden ankommen, obwohl die nichts bestellt haben? In den Päckchen finden sich oftmals Sex-Spielzeug, gelegentlich auch billige Technik. Geordert haben die Kunden die Sachen nie. Die Kundin Nikki, die sich gegenüber "The Daily Beast" äußerte, wurde ebenfalls mit Paketen mit allerlei Plunder bombardiert. Wenn es sich dabei um einen Scherz oder einen Angriff von Hackern handeln würde, durch die Frauen mit Sex-Spielzeug beliefert werden würden, dann wäre das ein teurer Spaß", so Nikki. Auch sie hatte Sexspielzeug, aber auch Kopfhörer und Kabel per Paket bekommen. Amazon sagte US-Medien auf Nachfrage, dass die Vorfälle geprüft würden. 

Nun zeigt der Fall von Julia W.: Auch deutsche Kunden werden ungefragt beliefert. Nach dem dritten Paket wurde ihr die Geschichte zu unheimlich. Sie schaltete die Polizei ein - doch die konnte nicht helfen. "Die Polizei hat mich abgewiesen, da eine Anzeige gegen Unbekannt im Sande verlaufen würde", so W. zum stern. "Es würde kein Tatbestand vorliegen." Also suchte sie Hilfe bei Amazon. "Ich habe Amazon mehrfach angeschrieben. Jedes Mal hat man mein Anliegen überhaupt nicht verstanden und es so gedreht, dass da wohl ein Irrläufer vorliegt und ich die Sachen einfach zurück senden soll", so W..

Von Amazon enttäuscht

Sie ist von Amazons Verhalten enttäuscht. Erst nach langen Erklärungen habe Amazon den Fall endlich ernst genommen und zeitgleich auf den Datenschutz verwiesen. Man dürfe keine Namen und Adressen weitergeben, damit sich W. hätte beschweren können. "Das verstehe ich natürlich auf der einen Seite. Auf der anderen Seite scheint es Amazon absolut kalt zu lassen, was da in ihrem großen Weltkonzern vor sich geht", sagte die genervte Userin. "Der letzte Satz der letzten Amazon-Email lautet ungefähr so: 'Wir danken Ihnen für ihr Vertrauen und freuen uns Ihr Problem gelöst zu haben.' Ja genau, dachte ich mir. Danke für nichts."

Amazon bestätigt indirekt, dass auch in Deutschland solche Pakete versendet werden. "Wir gehen jedem Hinweis von Kunden nach, die ungewollt ein Paket erhalten haben, da dies gegen unsere Richtlinien verstößt", so eine Sprecherin des Konzerns. Offenbar hört die Polizei dem Unternehmen eher zu als den Kunden, denn Amazon bestätigt: "Wir arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen."

Steckt Bewertungsbetrug dahinter?

Die Frage, die bleibt: Warum werden diese Pakete verschickt? Welcher Sinn steckt hinter der Aktion? Eine Theorie, die zwei ehemalige Amazon-Mitarbeiter für möglich halten, setzt auf Bewertungsbetrug. Verkäufer kaufen ihre eigenen Produkte unter falschem Namen, um sich selbst sehr gute Bewertungen zu geben. Die Ware verschicken sie einfach an Fremde. "Unsere bisherigen Nachforschungen haben ergeben, dass der Missbrauch von Kundenrezensionen nicht das Motiv dieser Aktionen ist", so Amazon zum stern. "Wir haben lediglich ein paar wenige Rezensionen zu diesen Lieferungen gefunden und wir entfernen jede weitere Rezension sofort." Nur Besteller könnten verifizierte Bewertungen verfassen. "Unsere Systeme sind darauf ausgerichtet, solche Verhaltensmuster zu identifizieren und wir werden weiter daran arbeiten, Missbrauch aufzudecken und zu verhindern", so Amazon.

Was auch gegen die Theorie spricht: Julia W. ist keine Amazon-Kundin mehr. "Ich selber besitze gar keinen Amazon-Account mehr. Schon seit Jahren nicht. Ich bestelle nur gelegentlich etwas über den Account meiner Mutter", erzählt W.. Allerdings kauft sie gerne und viel im Netz ein. Die Untersuchungen von Amazon in Kanada und den USA zeigen: Die Adressen scheinen nicht direkt von Amazon zu kommen, berichtet "The Daily Beast". Dass auch Julia W. keinen Amazon-Account mehr hat, scheint diese Vermutung zu stützen. Möglicherweise stammen ihre Adressdaten von einer anderen Liste oder Datenbank, die ihren Weg zu Betrügern gefunden haben. Julia W. hilft das wenig. Ähnlich wie ihre Leidensgenossin Nikki in den USA ist es gut möglich, dass weitere Pakete bei ihr ankommen. "Habe bisher mein ganzes Umfeld verdächtigt. Ich hatte gedacht, dass ich einen Stalker hätte", so Julia W.. "Ich hoffe, dass ich nun endlich eine Erklärung gefunden habe."

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