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"Paradise Papers": So dreist fordert Apple Steuererleichterungen ein

Die einen nennen es professionell, die anderen unverschämt. Um möglichst viele Steuern zu sparen, hat Apple bei Regierungen angefragt, ob man dem Unternehmen Abgabenfreiheit garantieren könne. Eine konnte.

Apple Zentrale Irland

Apple-Europa-Zentrale im irischen Cork

Man darf sich den Apple-Aktionär als glücklichen Menschen vorstellen. Wer vor 30 Jahren Geld in die Anteile des Computerunternehmens investiert hat, konnte sich über Kursgewinne von 20 Prozent freuen - im Schnitt, pro Jahr. Die exorbitante Entwicklung liegt natürlich an den begehrten wie teuren Produkten, aber auch an den sagenhaften Gewinnen, die die Firma aus dem kalifornischen Cupertino jährlich abwirft. Und die erwirtschaftet sie nicht nur durch geschicktes Kostenmanagement, sondern auch durch Steuervermeidungstricks, die ihres Gleichen suchen.

Apple soll EU 13 Milliarden Euro zahlen

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Erst vergangenes Jahr hat die EU-Kommission Apple dazu verdonnert, 13 Milliarden Euro Steuern in Europa nachzuzahlen. Die Amerikaner hatten Teile ihrer gigantischen Gewinne nach Irland transferiert, und so elf Jahre lang gerade einmal ein Prozent Abgaben entrichtet. Die nun veröffentlichten "Paradise Papers" zeigen erneut, wie dreist Apple vorgeht, um möglichst wenig Abgaben zahlen zu müssen. Darin werden auch Anfragen des Konzerns an Regierungen von Ländern mit gewissem Ruf zitiert. Folgende Informationen interessieren das Unternehmen offenbar besonders:

  • "Können Sie uns garantieren, dass man keine Steuern zahlen muss?"
  • "Können Sie uns sagen, welche Informationen öffentlich einsehbar sein werden?"
  • "Können Sie uns sagen, dass sich diese Gesetze in Zukunft nicht unvorteilhaft verändern?"
  • "Können Sie uns sagen, ob es in dieser Steueroase eine glaubwürdige Opposition gibt, die die gegenwärtige Regierung ersetzen könnte?"

Konkret ging es um die politische Lage auf den Britischen Jungferninseln, den Kaimaninseln, die Isle of Man, die Kanalinseln Guernsey und Jersey - allesamt Länder und Regionen, die für ihre steuerliche Großzügigkeit bekannt sind. Illegal ist das nicht, aber wenigstens kompliziert. Denn obwohl Irland seine Steuerschlupflöcher schließen wollte, räumte es den davon profitierenden Firmen eine Gnadenfrist ein. Bis 2021 könnten die von den bisherigen Regelungen profitieren, wenn sie bis Ende 2014 ein paar Umbauarbeiten in der Firmenstruktur vornehmen würden. Dazu müsse ein Standort in einem Land liegen, in dem keine Steuern anfallen. Deswegen schickte Apple seine Anwälte los, um letztlich in Jersey fündig zu werden - ein "Null-Steuer-Gebiet".

Apple: "Sind der größte Steuerzahler der Welt"

"Apples Irland-Struktur führte dazu, dass am Ende gar kein Finanzamt mehr für nach Irland verschobenes Geld zuständig war", heißt es in der "Süddeutschen  Zeitung", die die "Paradise Papers" mit ausgewertet hat. Praktisch an der Konstruktion: Für Apple hat sich offenbar kaum etwas geändert. Laut den öffentlich einsehbaren Finanzdaten hat der Konzern seine Gewinne 2013 und 2014 mit rund vier Prozent versteuert, in den beiden Jahren danach sei es nur unwesentlich mehr gewesen.

Der i-Phone-Hersteller selbst gibt sich selbstbewusst: Auf Anfrage von "SZ", NDR und WDR heißt es bei Apple: "Wir sind der größte Steuerzahler der Welt und haben mehr als 35 Milliarden Dollar Körperschaftsteuer in den vergangenen drei Jahren gezahlt". Bei einem Vorsteuergewinn in Höhe von 198 Milliarden Dollar liegt die Steuerquote bei rund 18 Prozent. "Wenn sich das System ändert, werden wir dem nachkommen. Apple hält sich an die Gesetze", so ein Unternehmenssprecher.


nik