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Arbeitsmarkt: Im Mai weniger als drei Millionen Arbeitslose

Der Aufschwung in Deutschland geht erst einmal weiter: Im Mai unterschritt die Zahl der Arbeitslosen erstmals in diesem Jahr die Drei-Millionen-Marke. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften ist leicht gesunken, liegt jedoch weiter auf hohem Niveau.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai erstmals in diesem Jahr unter die Marke von drei Millionen gefallen. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, gab es 2,96 Millionen registrierte Arbeitslose. Dies waren 118.000 weniger als im April und 276.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im Monatsvergleich von 7,3 auf 7,0 Prozent. "Der Arbeitsmarkt profitiert vom stabilen Aufschwung der deutschen Wirtschaft", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die Nachfrage nach Arbeitskräften schwäche sich zwar leicht ab, liege aber weiter auf hohem Niveau.

Dank der guten Auftragslage suchten vielen Unternehmen nach Arbeitskräften und böten damit in wachsendem Umfang auch Arbeitslosen eine Jobchance. Allianz-Volkswirt Rolf Schneider ist deshalb überzeugt: "Die Erwerbslosenzahl wird bis Jahresende unter drei Millionen bleiben." Erst mit der Winterarbeitslosigkeit im Januar und Februar dürften in Deutschland wieder mehr als drei Millionen Jobsucher gezählt werden. Zuletzt war die 3-Millionen-Grenze im November 2010 unterschritten worden.

Arbeitslosenzahl um 2,3 Millionen möglich

Der Rückgang im Mai fiel den Angaben zufolge etwas geringer aus als üblich. "Das dürfte daran liegen, dass ein Großteil der Frühjahrsbelebung aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung und der milden Witterung schon früher realisiert wurde", teilte die BA mit. Rechnet man die jahreszeitlich üblichen Schwankungen heraus, ging die Erwerbslosenzahl um 8000 auf 2,974 Millionen zurück. Von Reuters befragte Experten hatten hier einen Rückgang um rund 30.000 erwartet. Zuletzt lag die Arbeitslosenzahl im November unter der Drei-Millionen-Grenze.

Im laufenden Jahr dürfte sie noch deutlich tiefer sinken, denn die Bundesregierung rechnet allein im Jahresschnitt 2011 mit 2,9 Millionen Arbeitslosen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet sogar nur 2,8 Millionen - dies wäre der niedrigste Stand seit 1991. Für den Herbst hält der DIHK sogar eine Arbeitslosenzahl um 2,3 Millionen für möglich.

"Der Jobaufschwung wird weitergehen"

Leicht gedämpft wurde die Arbeitsmarkteuphorie lediglich von der Bundesagentur für Arbeit (BA); sie berichtete von einer leicht gesunkenen Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften - zum ersten Mal seit Monaten. Der entsprechende Beschäftigungsindex der BA sank um zwei auf 164 Punkte. "Inwieweit das leichte Minus das Überschreiten der maximalen Arbeitskräftenachfrage dieses Aufschwungs anzeigt oder ob die Nachfrage nochmals ansteigt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen", urteilte die Bundesagentur.

Die Bankenvolkswirte beurteilen die Lage dennoch ungeteilt positiv: " Der Jobaufschwung wird weitergehen", stellte etwa HypoVereinsbank-Volkswirt Alexander Koch fest. Und auch Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf ist zuversichtlich: "Die Firmen investieren weiter und müssen deshalb mehr Leute einstellen." Selbst die steigenden Energiepreise und die EU-Schuldenkrise dürften nach Prognosen der Fachleute weder Konjunktur noch Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten trüben.

Im April war die Zahl der Arbeitslosen nach Angaben der Bundesagentur um 132.000 auf 3.078.000 gesunken. Das waren 321.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,3 Punkte auf 7,3 Prozent ab. Saisonbereinigt war die Arbeitslosenzahl um 37.000 auf 2,97 Millionen gesunken - im Westen um 26.000, im Osten um 11.000. Zugleich wuchs die Zahl der Arbeitsplätze. Im März waren zuletzt 40,51 Millionen Jobs gezählt worden - 554.000 mehr als vor einem Jahr.

ins/DPA / DPA