Arcandor Die Irrungen der Madeleine Schickedanz


Madeleine Schickedanz, Großaktionärin von Arcandor, steht vor einem Scherbenhaufen: Der Kaufhaus- und Tourismus-Riese geht möglicherweise in die Insolvenz. Porträt einer gescheiterten Milliarden-Erbin.

Sie gilt als medienscheu, gibt kaum Interviews, hält sich im Hintergrund. Mit dem Überlebenskampf des Arcandor-Konzerns ist Großaktionärin und Milliarden-Erbin Madeleine Schickedanz aber ins Rampenlicht gerückt - hängt doch die Zukunft der rund 50.000 Beschäftigten des angeschlagenen Kaufhaus- und Tourismus-Riesen auch maßgeblich von ihren Entscheidungen ab. Allerdings hatte Schickedanz in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen, wenn sie Weichenstellungen für den aus den Traditionsunternehmen Quelle und Karstadt hervorgegangenen Konzern vornahm, an dem sie rund 27 Prozent hält.

Das größte Versandhaus Europas

Das Schickedanz-Imperium hat Madeleine vor allem ihrer Mutter Grete zu verdanken. Diese baute nach 1945 das Woll- und Kurzwarengeschäft der Familie mit ihrem Mann Gustav zum Versandhaus Quelle aus, dem größten seiner Art in Europa. Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker bezeichnete die für ihre Fähigkeiten als Unternehmerin vielfach Ausgezeichnete als "First Lady der deutschen Wirtschaft". Ihr einziges Kind Madeleine, 1943 in einem Luftschutzbunker geboren, steht nun aber vor einem Scherbenhaufen.

Denn dem aus der Fusion von Karstadt und Quelle hervorgegangenen Arcandor-Konzern droht ohne frisches Kapital das Aus. Seit Wochen bittet Unternehmenschef Karl-Gerhard Eick um Staatshilfe. Das einst auf über fünf Milliarden Euro geschätzte Schickedanz-Vermögen dürfte drastisch zusammengeschmolzen sein. Allein der Kursverfall der im MDax notierten Arcandor-Aktie soll die 65-Jährige mehr als drei Milliarden Euro gekostet haben.

Während Mutter Grete die Geschicke von Quelle nach dem Tod ihres Mannes selbst in die Hand nahm, überließ Tochter Madeleine, die nach dem Abitur zwei Semester Betriebswirtschaft studiert hatte, das operative Geschäft ihren Männern. Ehemann Nummer Eins, Hans-Georg Mangold, Sohn eines Fürther Spielwarenunternehmers, verließ den Konzern nach der Scheidung, ebenso wie sein Nachfolger, Wolfgang Bühler. Mittlerweile werden die Interessen von Schickedanz im Arcandor-Aufsichtsrat von ihrem dritten Ehemann Leo Herl vertreten.

Der Absturz

Aber auch wenn sich die vierfache Mutter, die völlig zurückgezogen in den Bergen von St. Moritz lebt, aus dem operativen Geschäft heraushält, zieht sie doch in Fragen des Führungspersonals aus dem Hintergrund die Strippen - allerdings nicht mit sehr viel Erfolg: Der Konzern verschliss zahlreiche Top-Manager, die klare Perspektive fehlte. 2004, als KarstadtQuelle mit anhaltenden Umsatzeinbrüchen kämpft, übernimmt der Schickedanz-Vertraute und Versandvorstand Christoph Achenbach den Chefsessel und der frühere Bertelsmann-Manager und gleichfalls der Familie nahestehende Thomas Middelhoff den Aufsichtsratsvorsitz.

Doch Achenbach kommt mit der Sanierung nicht recht voran und muss seinen Stuhl 2005 Middelhoff überlassen. Der verkauft neben den Immobilien alle Verlustbringer wie Hertie, SinnLeffers und Wehmeyer und träumt öffentlich von einem Aktienkurs in einer Höhe von "40 Euro plus X". Doch auch er kann das Ruder nicht herumreißen: Der inzwischen unter Arcandor firmierende Konzern schreibt tiefrote Zahlen und kämpft ums Überleben. Die Aktie ist mittlerweile für unter zwei Euro zu haben. Im Gezerre um die Zukunft der Kaufhäuser könnte demnächst sogar Konkurrent Metro das Sagen haben. Nach dessen Vorstellung könnten von den 90 noch verbliebenen Karstadt-Filialen 60 in das Galeria-Kaufhof-Konzept integriert werden.

Millionen für die Krebsforschung

Erfolgreich ist Madeleine Schickedanz dagegen mit der von ihr gegründeten Stiftung. Sie sammelt Millionen für die Krebsforschung und tritt als Kuratorin ab und an bei Benefizgalas in Erscheinung. In diesem Zusammenhang gibt sie dann auch Persönliches preis. Auf der Internetseite der Madeleine-Schickedanz-Kinder-Krebs-Stiftung wird sie zitiert mit den Worten: "Ausschlaggebend war, dass meine jüngste Tochter Caroline als Kind selbst an Leukämie erkrankte. Ihre Heilung im Jahr 1990 veranlasste mich, die Madeleine-Schickedanz-Kinder-Krebs-Stiftung ins Leben zu rufen".

Anneli Palmen/Reuters Reuters

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