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Auftrag an Frankreich und China Großbritannien lässt neues Atomkraftwerk bauen


Während Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie vorbereitet, will Großbritannien einen neuen Reaktor errichten. Premierminister David Cameron zeigt sich begeistert.

Großbritannien treibt seine Pläne zum Bau neuer Atomkraftwerke voran. Mit dem französischen Energiekonzern Electricite de France (EDF) einigte sich die Regierung nach Angaben vom Montag nun auf die finanziellen Modalitäten für die Errichtung von zwei Reaktoren im westenglischen Hinkley Point. Hinter den ersten Reaktor-Neubauten seit Mitte der 90er Jahre steht demnach ein Investitionsvolumen von 16 Milliarden Pfund (18,9 Milliarden Euro).

"Dies ist ein Symbol für die nächste Generation der Atomkraft in Großbritannien, die für unseren zukünftigen Energiebedarf und die langfristige Sicherheit bei der Versorgung eine wichtige Rolle spielt", sagte Premierminister David Cameron. Die Förderung der Atomenergie ist ein zentrales Element der Regierungsstrategie, fossile Energieträger durch Alternativen mit niedrigem CO2-Ausstoß zu ersetzen. Die Anlage Hinkley Point C soll in rund zehn Jahren in Betrieb gehen. Die endgültige Entscheidung über den Bau, durch den 25.000 Stellen entstehen sollen, ist für kommenden Sommer geplant.

EDF wird an dem Bau der beiden Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR) mit 45 bis 50 Prozent beteiligt sein, wie das Unternehmen und die britische Regierung mitteilten. Der französische Anlagenkonstrukteur Areva soll demnach mit zehn Prozent Projektpartner sein, die beiden chinesischen Atomkonzerne CGN und CNNC mit 30 bis 40 Prozent. EDF verhandle mit weiteren Investoren, die sich mit bis zu 15 Prozent an dem Projekt beteiligten könnten. Für die Chinesen ist die Zusammenarbeit eine Gelegenheit, einen Fuß in den britischen Markt zu bekommen.

Einigung über garantierten Abnahmepreis

Einer der Knackpunkte in den Verhandlungen um den Neubau der beiden Meiler war ein garantierter Abnahmepreis für den Atomstrom, den sich EDF sichern wollte. In dem Punkt gab es nun eine Einigung: Vereinbart wurde ein Betrag von umgerechnet 10,6 Cent pro Kilowattstunde, wie aus den Angaben des Unternehmens und der britischen Regierung hervorgeht. Er liegt weit über dem derzeit gezahlten Preis in Großbritannien.

Der Abnahmepreis könnte laut Vereinbarung noch ein Stück sinken, wenn EDF den Zuschlag für den Bau zweier weiterer Reaktoren in Großbritannien erhält. Die Meiler sollen in der Nähe von Sizewell entstehen, in der Grafschaft Suffolk an der Ostküste.

16 Reaktoren sind in Großbritannien zurzeit am Netz

In Großbritannien wird derzeit heftig über steigende Energiepreise diskutiert. Oppositionsführer Ed Miliband von der Labour-Partei hatte für den Fall eines Wahlsieges 2015 angekündigt, für eineinhalb Jahre die Energiepreise einfrieren zu wollen.

EDF und die britische Regierung hatten seit Monaten über den Vertrag verhandelt. Das Land hat derzeit 16 Reaktoren in Betrieb, von denen der älteste in spätestens zwei Jahren vom Netz gehen soll. Atomenergie macht in Großbritannien nach Angaben des Weltatomverbandes knapp ein Fünftel der Stromerzeugung aus. 27,5 Prozent der Energie liefert demnach die Verbrennung von Erdgas. Kohle macht 40 Prozent der Energieversorgung aus.

Das Abkommen stellt für die weltweite Atomindustrie einen Lichtblick dar. Seit der Katastrophe im japanischen AKW Fukushima kämpft sie mit Akzeptanzproblemen. Deutschland hat sich für den Ausstieg aus der Atomkraft entschieden, Italien ein geplantes Atomprogramm gestrichen und Frankreich strebt eine Verringerung seiner Abhängigkeit vom Atomstrom an.

cob/AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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